{"corpus":"steiner","locus":"GA 322/1920-10-02/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und dann kommt man auch dahin auf diesem Wege, statt sich hinüberzuleben zum Ich des andern Menschen, sich hinaufzuleben zu den Ichen von individualisierten geistigen Wesenheiten, die uns ebenso umgeben, wie uns umgeben die Wesenheiten der sinnlichen Welt. Dasjenige, was ich Ihnen hier schildere, war für den alten orientalischen Weisen eine Selbstverständlichkeit. Er wanderte gewissermaßen seelisch so hinauf zu der Wahrnehmung einer Geistwelt. Er erlangte im höchsten Maße dasjenige, was man Inspiration nennen kann, und er war gerade für diese Inspiration organisiert. Er brauchte nicht so wie der Abendländer zu fürchten, daß sein Ich ihm irgendwie verlorengehen könne bei dieser Wanderung hinaus aus dem Leibe. Und in den späteren Zeiten, in denen, weil die Menschheit schon vorwärtsentwickelt war, auch der Zustand eintrat, daß man sehr leicht ohne sein Ich da hinauskommen konnte in die äußere Welt, da wurde Vorsorge getroffen. Es wurde dafür gesorgt, daß der Betreffende, der der Schüler der höheren Weisheit werden sollte, nicht ungeleitet in diese geistige Welt hineinkam und etwa in jene Zweifelsucht pathologisch verfiel, von der ich in diesen Tagen hier gesprochen habe. In den alten orientalischen Zeiten wäre das wegen der Rasseneigenschaft ja ohnedies nicht zu fürchten gewesen. Aber beim weiter Fortrücken der Menschheit war es doch zu fürchten. Daher jene Vorsicht, welche gerade in den orientalischen Weisheitsschulen strenge gebraucht worden ist, die Schüler zu verweisen darauf, daß sie sich anlehnten an eine nicht äußere Autorität — das, was wir heute unter Autorität verstehen, kam im Grunde genommen erst in der abendländischen Zivilisation auf —, sondern durch ein selbstverständliches Sich-Anpassen an die Verhältnisse suchte man zu entwickeln in dem Schüler ein SichAnlehnen an den Führer, an den Guru. Das, was der Führer darlebte, das, wie der Führer für sich drinnenstand ohne Zweifelsucht, ja auch nur ohne Hinneigung zur Zweifelsucht, in der geistigen Welt, das nahm einfach der Schüler wahr, und an diesem Wahrnehmen gesundete er selbst so weit bei seinem Hineingehen in die Inspiration, daß ihn die pathologische Zweifelsucht nicht erreichen konnte.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-10-02","location":null,"word_count":328,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/322/1920-10-02/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/322/1920-10-02/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/322/1920-10-02/p008"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1920-10-02_03"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}