Die geisteswissenschaftliche Grundlage der sozialen Frage
Diese Geisteswissenschaft will auf der einen Seite sich wirklich erheben zu der Erkenntnis des Geistigen. Sie will aber auf der anderen Seite nicht stehenbleiben vor den Tatsachen des allerpraktischsten Alltagslebens. Für diese Geisteswissenschaft ist es undenkbar, daß im menschlichen Bewußtsein ein solches Zweifaches lebt, wie ich es geschildert habe für den modernen Kaufmann, für den modernen Astronomen, für den modernen Staatsbeamten, die ihr abgesondertes, lebenstremdes religiöses, ästhetisches Leben haben, das über dem Leben schwebt, das auch ferneliegt dem, was das alltägliche Leben ist. Scheinbar ist dieses Leben sehr geistig, das sich da als Geistesleben entwickelt. In Wahrheit aber ist es lebensfremd. Daher hat es auch einen gewissen Unglauben an das Leben erzeugt.
Cite:
GA 329/1919-10-14/p041 · edition original