Proletarische Forderungen und deren Künftige Praktische Verwirklichung
Sehr verehrte Anwesende, Sie arbeiten heute von morgens an, so weit Ihre Arbeit reicht, in der Fabrik. Sie gehen aus der Fabrik heraus und gehen höchstens vorbei an den Bildungsanstalten, die für gewisse Menschen errichtet sind. In diesen Bildungsanstalten werden die fabriziert, die bisher die herrschende Klasse waren, die die Regierung geführt haben und so weiter. Ich frage Sie: Hand aufs Herz, haben Sie eine Ahnung davon, was da drinnen getrieben wird? Wissen Sie, was da drinnen vorgeht? Nichts wissen Sie! Da zeigt sich unmittelbar anschaulich die Scheidung der Klassen. Da ist der Abgrund. Was in dem Aufruf angestrebt wird, ist, daß alles, was auf geistigem Boden getrieben wird, alle angeht, und daß der geistige Arbeiter der ganzen Menschheit verantwortlich ist. Das können Sie nicht erreichen, wenn Sie nicht das geistige Leben befreien und auf sich stellen. Deshalb haben die Worte von Karl Marx so eingeschlagen in Proletariergemüter, die Worte von dem Mehrwert. Der Proletarier wußte das im Kopfe selbst nicht, aber im Herzen fühlte er das richtig, und diese Herzensforderungen kommen heute in weltgeschichtlichen Forderungen zum Ausdruck.
Cite:
GA 330/1919-04-23/p014 · edition original