{"corpus":"steiner","locus":"GA 330/1919-04-28/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich habe bei Proletariern und Nichtproletariern, bei Arbeitern und Bürgerlichen vor etwa zwanzig Jahren den heftigsten Widerspruch erfahren, als ich im Berliner Gewerkschaftshaus damals, was ich klar zu erkennen glaubte, aussprach: Die moderne Arbeiterbewegung trägt im eminentesten Sinne - es klingt paradox, doch ist es so — den Charakter einer Gedankenbewegung. So sonderbar es klingt, es ist so. Sie geht aus von Gedanken. Geht von Gedanken aus, die sich, immer weitere und weitere Kreise ziehend, hineinsenkten in die Seelen der proletarischen Bevölkerung in den Stunden des Abends, die sich diese proletarische Bevölkerung abrang von der Ermüdung des Tages, und in denen wahrhaftig vielfach eine lebenswirklichere Weltanschauung, eine lebenswirklichere Auffassung der sozialen Tatsachen gepflegt worden ist, als von den Nationalökonomen der Universitäten und Lehranstalten, die im wesentlichen dasjenige gaben, was die bürgerliche Klasse über das Wirtschaftsleben und das sonstige Leben der neueren Zeit zu sagen hatte. Was in die Gedanken und namentlich in die Denkgewohnheiten des modernen Proletariats sich einlebte, es ist im Grunde genommen wichtiger, bedeutungsvoller als alles andere für die Bewegungen, die heute durch die zivilisierte Welt gehen. Denn was liegt da eigentlich vor? Nun, ich sagte schon, mit dem Heraufkommen der neueren Technik, mit dem Heraufkommen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung kam auch aus den alten Weltanschauungen, die mehr einen allgemein menschlichen oder auch einen religiösen Charakter hatten, die neuere, mehr wissenschaftlich orientierte Weltanschauung herauf. Diese wissenschaftlich orientierte Weltanschauung, wie trat sie den Bürgerlichen, wie trat sie dem Proletariat entgegen?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft","site_heading":null,"date":"1919-04-28","location":null,"word_count":240,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/330/1919-04-28/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/330/1919-04-28/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/330/1919-04-28/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}