{"corpus":"steiner","locus":"GA 330/1919-04-28/p019","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So konnte das Proletariat nicht anders, als sich hineingestellt fühlen in das bloße Wirtschaftsleben. Es war ja alles daraufhin organisiert, daß nur wenige die Früchte dieses Geisteslebens wirklich genießen konnten. Das Proletariat aber, was nahm es denn wahr? Auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens nahm es wahr das Kapital, die Wirksamkeit seiner eigenen Arbeitskraft und die Warenzirkulation, Warenerzeugung und den Warenkonsum. Das war alles, was es in Wirklichkeit erlebte. Sah es aber auf den Staat hin, welcher in dieser Weise seinem Rahmen nach benützt wurde, wie ich es eben dargestellt habe von den leitenden, führenden Schichten der neueren Zeit, dann fühlte der Proletarier etwas, was jeder Mensch fühlen kann, der seelisch gesund organisiert ist. Man kann viel nachdenken darüber, was der wichtige Begriff des Rechtes innerhalb der Menschheit, besser gesagt, innerhalb der Menschlichkeit, eigentlich bedeutet. Man wird sich zuletzt sagen: Das Rechtsbewußtsein ist etwas so Ursprüngliches gegenüber der menschlichen Natur wie dem gesunden Auge gegenüber die Wahrnehmung der blauen oder roten Farbe. Zu dem gesunden Auge kann man immer sprechen von der roten oder blauen Farbe, aber man kann nicht irgendeine abstrakte Vorstellung davon hervorrufen. So kann man zu jedem gesunden Menschen über die einzelnen Rechte sprechen. Das fühlte auch die breite Masse des Proletariats in den Zeiten, in denen es durch das demokratische Prinzip zur Selbstbesinnung gekommen ist an der Maschine und im Kapitalismus drinnen. Dann aber sah dieses Proletariat hin nach dem Staate. Was glaubte es von seinem Standpunkte aus mit Recht innerhalb dieses Staates zu finden? Wahrhaftig nicht die Verwirklichung des Rechtes, sondern den Klassenkampf mit seinen Klassenvorrechten und Klassenbenachteiligungen. Hier haben wir wieder ein Beispiel, wo das bürgerliche Denken sich kraftlos erwiesen hat. Auf der einen Seite war es genötigt, Demokratie walten zu lassen, auf der anderen Seite trug es nichts dazu bei, die Konsequenz dieser Demokratie zu ziehen, und ließ sich nicht wirklich dazu herbei, dasjenige vom Staate auszuscheiden, was ausgeschieden werden muß, und in die Sphäre des Staates einzubeziehen, was in die Sphäre des Staates einbezogen werden muß.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft","site_heading":null,"date":"1919-04-28","location":null,"word_count":333,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/330/1919-04-28/p019","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/330/1919-04-28/p019"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/330/1919-04-28/p019","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}