Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft
Das hat denjenigen, der heute zu Ihnen spricht, bewogen, als wir mitten drinnen standen in jener furchtbaren Katastrophe, die uns hier in Deutschland in unsere heutige Lage gebracht hat, an manche Stellen sich zu wenden, damit dazumal in den Ton der für Deutschland man konnte das damals schon sehen — vergeblich donnernden Kanonen hätte hineintönen sollen eine geistige Stimme gegenüber dem, was sonst die Welt erfüllte, damit Mittel- und Osteuropa gehört hätten, daß sie künftig nicht mit Kanonen, sondern mit dem Geiste arbeiten sollten. Der Weg sollte gesucht werden, der verhindert hätte, was nun gekommen ist. Viel Mühe haben sich meine Freunde gegeben, an die betreffenden Stellen, die dazumal noch berufen waren und heute in den Abgrund versunken sind, dasjenige heranzubringen, was hervorgeholt ist aus den notwendigen Menschheitsentwickelungsbedingungen der Gegenwart und nächsten Zukunft. Und gesagt habe ich zu manchen in der damaligen Zeit: Was in diesem Entwurfe ausgesprochen wird — er war dazumal hauptsächlich für die auswärtige Politik formuliert -—, das ist dasjenige, was in hingebungsvoller Arbeit seit Jahrzehnten den Verhältnissen von Mittel- und Osteuropa und der zivilisierten Welt überhaupt abgelauscht ist, was sich realisieren will in den nächsten zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren. Und gesagt wurde: Sie haben jetzt die Wahl, entweder Vernunft anzunehmen und der Menschheit zu sagen, daß Sie das realisieren wollen, oder Sie stehen vor Kataklysmen und Revolutionen. Denn was man nicht durch Vernunft realisieren will, das erst führt zur Revolution. Das darf heute jemand sagen, der vor dieser Kriegskatastrophe als von einer sozialen Geschwürbildung, von einer sozialen Krebskrankheit gesprochen hat. Damit wurde man damals als Phantast angesehen, und als Praktiker galten diejenigen, die, kurz bevor das Schlachten begann, von einer allgemeinen Entspannung sprachen.
Cite:
GA 330/1919-04-28/p025 · edition original