Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft
Nun möchte ich, statt auf die Einzelheiten der Debatte einzugehen, hinweisen auf die Grundunterschiede, die bestehen zwischen dem, was ich meine, und dem, worin viele Menschen das Heil sehen. Sehen Sie, um was es sich hier handelt, ist nicht, irgendein abstraktes Programm aufzustellen, in dem sehr viele Menschen das Heil sehen, sondern es handelt sich hier darum, die Menschen im sozialen Leben in einen solchen Zusammenhang zu bringen, daß sie das Richtige finden können aus der sozialen Gemeinschaft heraus. Mein Aufruf und mein Buch wenden sich an die Menschen. Ich habe in den verflossenen Jahren wiederholt gesagt: Ich bilde mir nicht ein, gescheiter zu sein als andere, die auch Erfahrungen haben, aber das scheint mir doch in meinen Vorschlägen zu liegen, daß sie an die Wirklichkeit herantreten, an das praktische Leben. In jedem Augenblick können die Dinge, um die es sich hier handelt, da und dort von jedem Ausgangspunkt aus verwirklicht werden. Es handelt sich nur darum, daß man den Mut dazu hat. Ich sagte oftmals, vielleicht bleibt von meinen einzelnen Vorschlägen kein Stein auf dem anderen, aber man wird durch das Zusammenleben der Menschen das Richtige finden, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt, dieses Richtige zu finden. Und dieses Richtige werden die Menschen finden, wenn sie in der Dreigliederung im sozialen Organismus darinnenstehen. An die Menschen selber geht mein Appell. Wenn die Menschen die gemeinte Einrichtung treffen wollen, so kommen sie in Beziehungen zueinander, in denen sie ihr soziales Leben wirklich so einrichten können, daß die Bedingungen eines gesunden sozialen Organismus erfüllt sind. Um Praktisches handelt es sich, um ein praktisches Zusammenfassen der Menschen nach dem dreigegliederten Organismus. Dann wird man auch in dem Geistesleben, dem Rechtsleben, dem Wirtschaftsleben das Rechte finden, wenn die Menschen in dieser Weise in drei Gebieten sind. Um die Menschen handelt es sich, und man braucht im Grunde genommen, um diesen Aufruf zu verstehen, nichts anderes als den wirklichen Glauben an die Menschen. Es ist mir oftmals gesagt worden, der Aufruf sei schwer verständlich. Ich muß gestehen, ich habe mich gewundert, daß das die Menschen gesagt haben, die in den letzten vier bis fünf Jahren so viel verstanden haben, was ich nicht verstanden habe. Was hat man nicht alles verstanden oder zu verstehen geglaubt, wenn es vom Großen Hauptquartier oder sonst woher kam. Da verstanden das alle Leute und rahmten sich sogar in goldene Rahmen die Aussprüche ein. Aber jetzt kommt es darauf an, daß die Menschen von sich aus einmal aus innerster freier Entschließung etwas verstehen. Auf sich muß der Mensch sich stellen, das ist die erste Forderung. Das geht als Grundton durch diesen Aufruf und durch alles das, was hier gewollt wird. Sie werden gerade aus dem, was ich zuletzt gesagt habe, den eigentlichen Grundton des Aufrufes schon entnehmen können, und ich hoffe, daß das, was gewollt wird, immer besser und besser verstanden werde.
Cite:
GA 330/1919-04-28/p033 · edition original