Die Zukunft von Kapital und menschlicher Arbeitskraft

GA 330/1919-05-13/p009 ·1919-05-13 · original (original)
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Aus diesen Untergründen heraus sind die Fragen entsprungen, die sich zuletzt ergeben haben für die Grundlegung der Impulse des dreigeteilten sozialen Organismus. Aus dem wirklichen Leben heraus stand da wie eine Zukunftsperspektive die sozial gegliederte menschliche Gesellschaft. Aber in dem Streben, nicht aus Illusionen und Forderungen heraus einfach zu sprechen, sondern in dem Streben, zu etwas zu kommen, was der Menschheit wirklich heilsam sein kann, mußte gefragt werden: Woran liegt es denn, daß das geschichtlich Notwendige, das, was gewiß kommen muß, zu gleicher Zeit wieetwas die Menschheit in bezug auf edelste Kräfte Störendes erscheinen kann? Beirren in der Einsicht von der Notwendigkeit einer sozialen Struktur der Gesellschaftsordnung kann den Verantwortlichen ein solcher Ausblick nicht. Aber dazu kann er ihn treiben, nachzuforschen, wie es gemacht werden muß, damit Heil und nicht Unheil komme, damit die freie, nach allen Seiten sich entfaltende Menschennatur zur Geltung komme, und nicht eine im Innerlichen verdorrte, im Innerlichen verkümmerte Menschenwesenheit in dem geschichtlich Notwendigen leben müsse. Das führt dazu, diesen sozialen Organismus genauer, lebensgemäß zu studieren. Und da zeigt es sich, daß, wenn man einfach die alte Staatsordnung, den alten Staatsinhalt überleiten möchte in die neue soziale Ordnung, wenn man den alten Einheitsstaat forttreiben würde zu der neuen sozialen Ordnung, dann das eintreten würde, was die Gegner des Sozialismus, wenn sie gutwillige Gegner sind, eben anführen. Sofort wird das trübe Bild mit Licht beschienen, wenn man gewahr wird: Man muß ja erst aus dem wirtschaftlichen Organismus, in den wir immer mehr und mehr hineingekommen sind, so daß Staats- und Geistesorganismus Diener der wirtschaftlichen Organisationen geworden sind, herausnehmen das eigentliche Rechts- oder Staats- oder politische Gebiet und das Gebiet der geistigen Kultur der Menschheit. Läßt man diese drinnen, segelt man fort, hypnotisiert von dem Götzen «Einheitsstaat», und will man sozialisieren, dann gelten die Einwände. Gliedert man heraus aus dem Wirtschaftsleben, in das sich immer mehr konzentriert hat die neuere Menschheitskultur, das Rechts- oder politische oder Staatsleben auf der einen Seite, das geistige Leben auf der anderen Seite, dann bleibt in dem befreiten Wirtschaftskreislauf die Möglichkeit, in gesunder Art zu sozialisieren. Und zu gleicher Zeit ergibt sich die Möglichkeit, auch auf den beiden anderen Gebieten in gesunder Art zu sozialisieren.

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