{"corpus":"steiner","locus":"GA 330/1919-05-13/p011","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Was glaubt eigentlich der Kapitalist? Der Kapitalist glaubt, er lebe von seinem Kapital, oder wenn er wirtschaftlich ist, er lebe von den Zinsen dieses seines Kapitals. Das ist nun einmal sein Glaube. Er denkt nicht viel über diesen Glauben nach, denn er ahnt nicht, daß von Kapital und Zinsen niemand leben kann. Und er ahnt auch nicht, daß es eine gewisse Berechtigung hat, wenn ein sehr bedeutsamer Nationalökonom, der sogar ausnahmsweise preußischer Minister geworden ist, die Worte geäußert hat, das Kapital sei das fünfte Rad am Wirtschaftswagen. Man muß wirklich berücksichtigen, was das eigentlich heißt. Es heißt das nichts Geringeres als: die menschliche Gesellschaft braucht eigentlich das, was heute als Kapital angesehen wird, nicht. In Wirklichkeit aber nährt dieses Kapital viele Menschen, sehr viele Menschen. Diese Menschen werden alle durch das fünfte Rad am Wirtschaftswagen genährt, das heißt sie nähren sich so, daß, wenn sie sich nicht nähren würden, der Wirtschaftswagen auch fahren würde, nur daß sie selbst etwas anderes tun müßten, als sich vom Kapital zu nähren, nämlich arbeiten. Sehen Sie, das beleuchtet den Glauben des Kapitalisten. Es ist schwer anzukämpfen gegen diesen Glauben, wie überhaupt gegen Glaubensbekenntnisse außerordentlich schwer anzukämpfen ist aus dem einfachen Grunde, weil Glaubensbekenntnisse intim mit der menschlichen Natur verknüpft sind. Und Sie mögen dem Kapitalisten noch so oft sagen: Durch dein Kapital entsteht doch nicht Leben, solange dein Kapital sich nicht umwandelt durch die gesellschaftliche Ordnung in eine Macht, in die Macht, die du durch dein Kapital über andere Menschen hast, die arbeiten und dir durch ihre Arbeit den Lebensunterhalt verschaffen. Wer diese Dinge gründlich betrachtet, der merkt, daß das Kapital erst dann eine Bedeutung hat, wenn man es vom Standpunkte dieser Machtfrage ins Auge faßt. So viel zunächst über das Glaubensbekenntnis des Kapitalisten.,","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Zukunft von Kapital und menschlicher Arbeitskraft","site_heading":null,"date":"1919-05-13","location":null,"word_count":290,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/330/1919-05-13/p011","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/330/1919-05-13/p011"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/330/1919-05-13/p011","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}