Die Zukunft von Kapital und menschlicher Arbeitskraft
Sehen Sie, deshalb ist es notwendig, daß in der Zukunft losgelöst werde der eigentliche Staat, das eigentliche soziale Rechtsgebiet von dem Wirtschaftsgebiet. Dadurch, daß dies geschieht, wird man imstande sein, alles, was auf demokratischem Boden als Recht reguliert werden kann, auch wirklich unabhängig vom Wirtschaftsleben zu regulieren. Das Wirtschaftsleben selber kann nur aus der Erfahrung und aus den realen Grundlagen dieses Wirtschaftslebens heraus selber organisiert werden. Arbeitskraft aber kann schon organisiert sein, wenn der Arbeiter überhaupt in das Wirtschaftsleben eintritt. Dann, wenn das der Fall ist, dann wird in der Zukunft leben auf der einen Seite das zirkulierende Kapital beziehungsweise die zirkulierenden Produktionsmittel, die so keines Menschen Besitz sind, sondern zur allgemeinen Verwendung in Wirklichkeit da sind, die immer an den Fähigsten kommen können durch die Einrichtungen, die ich eben vorhin dargestellt habe. Dann wird da sein auf der andern Seite die Freiheit des Menschen, nicht nur in bezug auf allerlei ideale Güter, die aber der Handarbeiter heute nicht zu den seinigen rechnen kann, sondern vor allen Dingen mit Bezug auf die menschliche Arbeitskraft. Dann wird das wirtschaftliche Leben entlastet sein des Lohnverhältnisses, denn dann wird es im Wirtschaftsleben nur Güter geben oder meinetwegen nennen wir es Waren. Dann wird in anderer Weise sich gegenüberstehen das, was heute Kapital, Lohn und Markt ist. Dann wird, wie Sie gesehen haben, das Kapital entfallen sein, der Lohn ebenfalls, denn Leistungen werden da sein, welche der Arbeiter mit dem Arbeitsleiter gemeinsam hervorbringt. Der Lohnbegriff hört auf, einen Sinn zu haben.
Cite:
GA 330/1919-05-13/p019 · edition original