Die Zukunft von Kapital und menschlicher Arbeitskraft
Auf der anderen Seite können sich Produzenten zusammenschließen, bis zum Unfug ist das ja gerade innerhalb unserer Wirtschaftsordnung geschehen, da ergeben sich dann die Produktionsgenossenschaften. Nun haben beide Arten von Genossenschaften ganz verschiedene Tendenzen. Wer Konsumgenossenschaften studiert, findet, daß Konsumgenossenschaften alles Interesse daran haben, erstens möglichst billig einzukaufen und zweitens möglichst vieleMenschen in ihren Reihen zu haben. Sie wehren sich niemals gegen die Vergrößerung ihrer Genossenschaft, wenn sie ihr wahres Interesse im Auge haben. Gerade die entgegengesetzte Eigenschaft haben die Produktionsgenossenschaften. Die Teilnehmer werden die Konkurrenz fürchten, wenn sie sich vergrößern, und sie haben doch alles Interesse daran, möglichst teuer zu verkaufen. Das weist Sie darauf hin, daß in der Zukunft das Heil nur bestehen kann in der Zusammenfügung von Menschen mit Konsum- und Produktionsinteressen, in Konsum-Produktions- oder Produktions-Konsumgenossenschaften, wo nicht nur der Konsum die Produktion regeln wird, sondern wo sogar die Größe der Genossenschaft geregelt werden wird, indem der Konsum die Tendenz hat, die Genossenschaft möglichst groß zu machen, also auszudehnen, zu expandieren — die Produktion die Tendenz hat, der Genossenschaft Grenzen zu geben. Da wird aus der Sache selbst, aus der Wirklichkeit heraus das soziale Gebilde geschaffen. Ich könnte Ihnen unzählige Fälle anführen, woraus Sie ersehen würden, daß, wer wirklichkeitsgemäß zu denken imstande ist, wer wirklich praktische Ideen heute im Kopfe haben will, der findet in den Ansätzen, die in der Wirklichkeit schon vorhanden sind, selber die Grundlagen wahrer, echter, den Menschen heilsamer Sozialisierung.
Cite:
GA 330/1919-05-13/p021 · edition original