{"corpus":"steiner","locus":"GA 330/1919-05-13/p025","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Der Mensch mit seinen sozialen Interessen und Kräften wird in der Zukunft überhaupt dasjenige bilden, was allem Leben zugrunde liegt. Auf den Menschen wird es viel mehr ankommen als heute, wo der scheinbare Einheitsstaat gerade die Menschheit noch gliedert in Klassen und Stände und die Menschen nicht volle und ganze Menschen sein läßt. Heute glaubt man noch, hat man irgendwo eine Verfassung, nun, dann ist viel gewonnen. In der Zukunft wird man verstehen, daß eine Verfassung nichts ist, wenn die Menschen nicht da sind, die in ihrer eigenen Lebendigkeit die Kräfte tragen, sich gegenseitig zu verfassen, wenn ich so sagen darf. Das ist es, worauf es ankommt, daß man verstehe, was ich neulich schon damit andeutete: Gladstone, der englische Staatsmann, sagte einmal, die vorteilhafteste Verfassung habe der nordamerikanische Freistaat. Ein anderer Engländer, der mir geistreicher zu sein scheint als Gladstone, sagte darauf: Aber diese Nordamerikaner — das war eben seine Ansicht - könnten eine viel, viel schlechtere, sogar eine spottschlechte Verfassung haben, sie sind solche Leute, die aus einer guten und aus einer schlechten Verfassung dasselbe machen werden! Daß wir das Menschliche an die Stelle setzen müssen des vom Menschen Abgesonderten, das ist es, was erreicht werden muß. Aus einem lebendigen Geistesleben werden die lebendigen Leiter der Betriebe hervorgehen. Das Kapital entfällt! Neben solchen lebendigen Leitern wird der freie Arbeiter als ein ganzer Mensch dastehen. Er wird, wenn er die Frage aufwirft: Gibt mir die Gesellschaftsordnung meine Menschenwürde? — mit ja zu antworten wissen. Und ein Markt, der nicht anarchisch, sondern organisiert ist, wird einen gerechten Ausgleich in den Warenwerten hervorzurufen imstande sein. Über alle diese Dinge sind viele Einzelheiten zu sagen. Ich konnte heute nur skizzieren, und Sie könnten viele Fragen stellen. Ich weiß, daß manches aus den heutigen Worten noch nicht voll verstanden werden kann. Nächsten Freitag sollen dann Einzelheiten, Belege und weitere Ausführungen gebracht werden, die Ihnen zeigen werden, daß es sich hier nicht handelt um etwas, was leichtsinnig in die Welt geworfen wird, sondern um etwas, das bringen soll dasjenige, was mit dem Rufe nach Sozialisierung als berechtigt gefordert wird. Was berechtigt gefordert wird, was aber vielleicht von dem berechtigt Fordernden noch nicht in aller Klarheit erkannt wird.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Zukunft von Kapital und menschlicher Arbeitskraft","site_heading":null,"date":"1919-05-13","location":null,"word_count":362,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/330/1919-05-13/p025","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/330/1919-05-13/p025"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/330/1919-05-13/p025","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}