Die Zukunft von Kapital und menschlicher Arbeitskraft
Ähnliche Dinge sind noch viel vorgebracht worden. Besonders überrascht war ich, den Ausdruck «Geistkapitalismus» zu hören. Was man sich darunter vorstellen soll, das weiß ich nicht, insbesondere weiß ich nicht, wie er gebraucht werden mag nach einem Vortrag, in dem über die Zirkulation des Kapitals in der Weise gesprochen worden ist, wie ich gesprochen habe. Geistige Besitzer - ja, sehr verehrte Anwesende, man versuche doch nur einmal, mit Realitäten zu denken! Stellen Sie sich den sozialen Organismus — der Redner hat ihn ja nicht geschildert, wie er ihn sich vorstellt — vor nach den wenigen Andeutungen, die der Redner gemacht hat. Dann werden Sie doch wohl sagen müssen: Was ist denn das eigentlich, wenn, sagen wir, durch irgendeine sozialistische Ordnung geistige Arbeiter eben arbeiten neben dem Handarbeiter? Ich weiß nicht, was das für ein Unterschied sein soll gegenüber dem, was auch in meinem Wirtschaftsorganismus da sein muß, daß der geistige Arbeiter arbeitet neben dem Handarbeiter. Ich habe ausdrücklich erklärt: Der Besitz hört auf in dem Moment, wo das Kapital realisiert ist, das heißt das Produktionsmittel da ist. Wie man dann von geistigen Besitzern sprechen kann, das ist mir ganz und gar unerfindlich. Aus einzelnen besonderen Erfahrungen, die der verehrte Redner angeführt hat, kann man selbstverständlich alles mögliche, was man nur will, herleiten. Von der Verkümmerung des Seelenlebens und dergleichen kann man selbstverständlich sehr viel herleiten. Das fand ich nicht sehr geschmackvoll, womit der Herr Redner geschlossen hat, daß er sich darauf bezog, er überläßt mir das Bürgertum, damit dann ihm um so besser das Proletariat gesichert sei. Nun, auf solche Dinge braucht man sich ja nicht weiter einzulassen, denn ob man das nun schließlich als agitatorische Phrase ansieht oder nicht, das ist durchaus Geschmackssache,
Cite:
GA 330/1919-05-13/p035 · edition original