Die Aufgaben Derschulen und der Dreigliedrige Soziale Organismus
Aber die Zeitforderungen selbst — können wir gegen sie etwas machen? Gegen die Zeitforderungen können wir eigentlich nichts machen. Die sind da. Die Menschheit hat einmal auf der heutigen Stufe ihrer Entwickelung eine gewisse Stufe ihres Bewußtseins erreicht, hat einmal eine gewisse Seelenverfassung erreicht, die sich namentlich in proletarischen Forderungen ausdrückt, die ja nur das Signal sein können für eine Neubildung, die in ganz anderem Sinne erfolgt, als sie der Proletarier sich vorstellt. Aber es hat in der sich fortentwickelnden Menschheit ein gewisser innerer Kraftimpuls diese Menschheit ergriffen, und dieser Kraftimpuls drückt sich schon lange aus in zwei Worten in unserer Zeit sind sie sehr stark zur Phrase und zum Schlagwort geworden — Demokratie und Sozialismus. Diese zwei Worte dringen mit immer stärkerer und stärkerer Kraft herauf aus den Untergründen der Menschheitsentwickelung. Und in unserer Zeit, wenn auch vieles Törichte gesagt wird über Demokratie und auch über Sozialismus, so muß man doch sagen, in unserer Zeit tönt beides mit einer verstärkten Kraft aus diesen Untergründen des Menschheitlichen herauf. Man verlangt ein stärkeres Maß der Demokratisierung des Staatswesens, und man verlangt auch ein stärkeres Maß von Sozialisierung des Wirtschaftslebens. Gegen diese Forderungen kann gar nichts gemacht werden, sie sind gewiß elementare Forderungen der Menschheitsentwickelung. Aber die Aufgabe ihnen gegenüber ist, daß man vernünftig Stellung dazu ergreift. Was bedeuten denn gerade diese zwei Forderungen «Demokratie» und «Sozialismus»?
Cite:
GA 330/1919-06-19/p015 · edition original