Die Aufgaben Derschulen und der Dreigliedrige Soziale Organismus
Wenn wir diese Grundsätze haben, dann lernen die Kinder etwas, was heute sehr wenig gelernt wird. Heute wird sehr viel gelernt, Geographie, Rechnen, Zeichnen und so weiter. Ich will darüber nicht sprechen. Doch es sollte so gelernt werden, wie ich jetzt gesagt habe; aber zu lernen wird wenig gelehrt. Das Leben selber aber ist die große Schule des Lebens, und nur dann kommt man richtig aus der Schule heraus, wenn man sich aus ihr die Fähigkeit mitbringt, sein ganzes Leben vom Leben zu lernen. Das kann man aber nicht, wenn man in diesen Jahren mit Wissen angepfropft wird. Das kann man nur dann, wenn die Schule dazu verwendet wird, um diese Kräfte von Denken, Fühlen und Wollen im Menschen auszubilden in seiner Seele. Dann lernt man das Lernen vom Leben. Wollen wir Demokratie und Sozialismus, dann müssen wir nicht den Hochmut haben, überall bestimmen und schon alles wissen zu können. Wir müssen über den Größenwahn hinauskommen, man brauche nur ein einundzwanzigjähriger vernünftiger, mündiger Mensch zu sein, um in alle Staatsparlamente hineingewählt zu werden, um so zu sprechen, wie diejenigen Menschen sprechen, die Erfahrung im Leben haben. Sondern dann muß man zu der innersten menschlichen Bescheidenheit erzogen werden, daß wir nicht absolut vollendete Menschen für einen Augenblick sind, sondern uns entwickelnde Menschen von der Geburt bis zum Tode. Daß jeder Lebenstag, einen bestimmten Wert hat, und daß wir uns nicht umsonst in die Dreißigerjahre hineinleben, nachdem wir die Zwanziger durchlaufen haben, sondern daß uns jeder neue 'Tag und jedes neue Jahr immer neue Offenbarungen bringt.
Cite:
GA 330/1919-06-19/p026 · edition original