Die Aufgaben Derschulen und der Dreigliedrige Soziale Organismus
Wir sehen, wie heute die Menschen intellektuell förmlich übermäßig ausgebildet sind, gerade in unserer abendländischen Zivilisation, und wie sie alles, was sie als Anforderungen an das Leben stellen, immer in Verstandesgrundsätze sich bringen. Dasjenige, was nun das Allerverstandesmäßigste ist, was ganz nur Verstand ist, das ist das Marxistische Programm. Das ist nämlich gerade das Grundcharakteristikum des Marxistischen Programms, daß es nur vom Verstande seine Struktur bekommen hat. Man versteht eigentlich das, was im Marxistischen Programm liegt, erst recht, wenn man weiß, alles da drinnen ist nur vom Verstande diktiert, von einem sehr scharfen Verstande, von einem überscharfen, von einem genialen Verstande oft - aber nur vom Verstande. In der Menschennatur, in der Menschenseele stehen die einzelnen Seelenkräfte in Wechselbeziehung zueinander. Wenn die eine Kraft zu stark ausgebildet wird, bleiben die anderen zurück, einige Kräfte bilden sich mehr aus, andere bleiben zurück. Werden die Verstandeskräfte zu stark ausgebildet, so bleiben die Emotionen auf einer niedrigeren Stufe zurück. Sie werden zwar stark, aber werden elementar, sie werden wüst. Und so sehen wir, daß in unserer Zeit der Intelligenz die wüstesten Emotionen, die furchtbarsten Instinkte als «historische Forderungen» heraufkommen. Denn das ist es, was vom Osten Europas kommt, was Mitteleuropa zu überschwemmen beginnt: die elementarischen instinktmäßigen Forderungen, die der Gegenpol sind zur Intellektualität. Man möchte, daß in dieser Beziehung die Menschen einmal anfangen würden, über die eigentlichen Zusammenhänge nachzudenken.
Cite:
GA 330/1919-06-19/p028 · edition original