Die Aufgaben Derschulen und der Dreigliedrige Soziale Organismus
Dann ist der Zwiespalt angedeutet worden, der besteht, wenn später der Staat oder irgendwie das Leben nicht dulden wird, was der Lehrer als Autorität in die Kinder hineingepflanzt hat. Aber aus der Erkenntnis dieses Zwiespaltes geht ja gerade die Forderung nach der Abgliederung des Schulwesens vom Staatswesen hervor. Gerade um es als Unmöglichkeit herbeizuführen, daß irgendein Staat später das nicht duldet, was in der Schule durch Autorität in die Seele des Kindes gelegt worden ist, deshalb soll gerade das Schul- und Erziehungswesen auf seinen eigenen Boden gestellt werden. Wird dann, wenn der Staat nicht zugleich die Autorität für den Lehrer ist, der Mensch später gezwungen im Leben, etwas anderes zu tun, dann wird er an seinen Lehrer nicht so zurückdenken, daß der jetzt für ihn wertlosist,wenn der Staat etwas anderes sagt, sondern er wird so zurückdenken, daß er es als ein schweres Schicksal empfinden wird, daß er das nicht ausführen kann, was als Autorität der Lehrer in seine Seele hineingepflanzt hat. Wenn Sie darüber im einzelnen nachdenken, werden Sie sehen, daß die Lösung dieses Zwiespaltes schon sehr geglückt ist. Aber gerade weil dieser Zwiespalt einem lange auf der Seele lag, deshalb ist aus einer Beobachtung des Lebens die Forderung nach der Verselbständigung des Geisteslebens und besonders des Schul- und Erziehungswesens aufgestellt worden. Alle ähnlichen Dinge — und es sind viele ähnliche Dinge wie hier der Zwiespalt, der in sehr glücklicher Weise angeführt worden ist —, sie sind gerade nur dann möglich, wenn das Schulwesen hineingestellt wird in dasjenige, was auf demokratischer Grundlage liegt, hineingestellt wird in das Rechtsleben des Staates.
Cite:
GA 330/1919-06-19/p045 · edition original