4. Geisteswissenschaft, Gedankenfreiheit und soziale Kräfte

GA 333/1919-12-19/p019 ·1919-12-19 · original (original)
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So schreit das äußere Leben nach einer solchen Vertiefung, wie sie gerade von der Geisteswissenschaft gegeben ist. Geisteswissenschaft wird es sein müssen, welche die Grundlagen abgibt für das, was unbewußt die Menschen heute in ihre sozialen Forderungen kleiden, was sie nicht klar formulieren können, weil die Denkkraft nicht vorhanden ist. Daher ist es notwendig, diese Geisteswissenschaft nicht als etwas aufzufassen, dem man sich nebenbei mit ein paar Gedanken widmen könnte, sondern als etwas, was zu den notwendigsten Bedingungen der Gesundung unseres Lebens gehört. Ich weiß wohl — denn ich glaube wahrhaftig kein unpraktischer Mensch zu sein -, die Leute sagen: Wir haben unsere Berufe, wir können uns nicht widmen dieser immerhin recht ausführlichen Geisteswissenschaft. Sollte nicht auch der andere Gedanke ein wenig einziehen in die Herzen und Seelen der Menschen: Zeigt nicht die heutige abschüssige Bahn, auf der wir wandeln — wenn wir auch noch so sehr drinnen stehen im Beruf -, daß wir nur mitarbeiten an der Gestaltung des Weges in das Chaos hinein? Und sollten wir es nicht für notwendig halten, jede Stunde, die wir erübrigen können, solchen Anschauungen zu widmen, die nun wirklich radikal die Frage nach der Gesundung aufwerfen?

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