5. Die geistigen Kräfte in der Erziehungskunst und im Volksleben
Gestern erlaubte ich mir auszuführen, wie in den Niedergangserscheinungen unserer Zeit drei zerstörende Mächte wirken: die Weltherrschaft der Phrase, die Weltherrschaft der Konvention, die Weltherrschaft der Routine. Und ich versuchte gestern schon anzudeuten, wie treten müsse an die Stelle der Phrase wiederum die gedankenerfüllte Rede, der von geistiger Substanz durchdrungene Gedanke, der sich durch die Sprache ausleben kann im sozialen Leben der Menschen. Und ich versuchte damit im Zusammenhang anzudeuten, wie an die Stelle der Konvention treten müsse gerade durch die Wiederbelebung des Geisteslebens dasjenige, was auch aus der lebendigen Wechselwirkung der im demokratischen Sinne miteinander lebenden mündigen Menschen allein entstehen kann. Und anzudeuten versuchte ich, wie an die Stelle der bloßen Routine, der geistlosen Routine, treten müsse die durchgeistigte Lebenspraxis.
Cite:
GA 334/1920-03-18/p003 · edition original