{"corpus":"steiner","locus":"GA 334/1920-03-18/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"will. Was sonst in unserem sozialen Leben vorhanden ist, es sind die traditionellen Impulse zur Weltanschauung. Was neu fruchtet, was die Menschen wirklich bewegt seit drei bis vier Jahrhunderten, das ist die Frage: In welcher Art kann aus den naturwissenschaftlichen Grundlagen des menschlichen Erkennens eine Weltanschauung fließen? Kein Wunder, daß unter dem Drang, auf diese Weise eine Weltanschauung zu begründen, gerade diejenigen Kräfte des menschlichen Seelenlebens sich ausgebildet haben, die geeignet sind, eine solche Weltanschauung ins Leben zu rufen. Eine ganz bestimmte Art des Denkens und eine ganz bestimmte Art des Wollens hat sich in diesen letzten Jahrhunderten herausgebildet und ist in unserer Gegenwart bis zu einem gewissen Höhepunkt des Wirkens gekommen. Die Naturforschung betont ja immer wieder und wiederum, daß es für sie, für ihre gewissenhafte Methode darauf ankomme, die Welt der Tatsachen zu erforschen, so daß nichts einfließe in dasjenige, was ausgemacht wird über die Tatsachen selbst, daß da nichts einfließe von dem, was aus dem Menschen, aus der menschlichen Persönlichkeit selbst kommt. Vergeblich haben solche Geister wie Goethe, die einsahen, zu welcher Einseitigkeit bloßes Naturerkennen, vom Menschen abgesondertes Naturerkennen führen müsse, aufmerksam darauf gemacht, wie wirkliches, zu einer umfassenden Weltanschauung brauchbares Erkennen nicht abgesondert werden dürfe vom Menschen, wie selbst die äußere physikalische Tatsache im Zusammenhange mit dem in der Welt stehenden Menschen betrachtet werden müsse. Allein auf der anderen Seite kann man doch sagen, daß diese vom Menschen abgesonderte Betrachtungsweise wiederum ihre großen Triumphe gefeiert hat dadurch, daß sie die Welt der Technik zu dem gebracht hat, was diese eben heute ist. Das alles aber konnte nur unter dem Einflusse einer gewissen Art des Denkens entstehen; jenes Denkens, das sich hingibt entweder dem, was die Natur durch sich selbst der Beobachtung darbietet, oder demjenigen, was wir im Experimente darstellen können. Die Sprache der Tatsachen selber zu verstehen, es ist das Ideal dieses Denkens.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"5. Die geistigen Kräfte in der Erziehungskunst und im Volksleben","site_heading":null,"date":"1920-03-18","location":null,"word_count":307,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/334/1920-03-18/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/334/1920-03-18/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/334/1920-03-18/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}