{"corpus":"steiner","locus":"GA 334/1920-03-18/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dazu gehört aber allerdings, daß diese Pädagogik, diese Erziehungskunst gebaut werde auf wirkliche Menschenkenntnis. Wirkliche Menschenkenntnis ergibt sich nur mit den Methoden, die ich heute andeutend charakterisiert habe. Da lernt man erkennen, wie aus dem inneren Seelisch-Geistigen heraus vor allen Dingen gewisse Epochen sich unterscheiden lassen in dem werdenden Menschen. Diese Epochen, sie sind dasjenige in der menschlichen Wesenheit, worüber man heute oftmals selbst in der Wissenschaft, die sich sehr exakt dünkt, oberflächlich hinweggeht. Man sieht ja in dem Kinde gewisse Vorgänge, wenn um das siebente Jahr herum der Zahnwechsel eintritt. Aber derjenige, der tiefer hineinschaut in die menschliche Natur, der sieht auch, wie in dieser Zeit des Zahnwechsels im Kinde eine vollständige Metamorphose des ganzen Seelenlebens vor sich geht. Während in der ersten Zeit, von der Geburt bis zum siebenten Jahre, alles, was das Kind treibt, wozu das Kind sich geneigt, befähigt fühlt, herausstammt aus dem Prinzip der Imitation, der Nachahmung, aus einem Sich-Hineinfühlen in alles dasjenige, was die Umgebung tut, beginnt mit dem Zahnwechsel ungefähr gegen das siebente Jahr beim Kinde die Epoche, wo es durch seine inneren Fähigkeiten auf Autorität hin angelegt ist. Wie durch das selbstverständliche elementarische Leben wird das Kind bis zum siebenten Jahr hin selbst in seinen Handbewegungen, in der Formung seiner Sprache dasjenige tun, was die Erwachsenen seiner Umgebung tun. Es wird sich ganz hineinverweben in dasjenige, was ausströmt selbst von den Imponderabilien der Gedanken- und Vorstellungsrichtungen der Umgebung. Vom siebenten Jahr an braucht das Kind in seiner Umgebung den, von dem es glauben kann: der weiß in gewissem Sinne das Richtige; es braucht die Autorität. Man mag heute noch so sehr gegen Autorität wettern, man sollte berücksichtigen, daß Autorität vom siebenten Jahr an ungefähr bis zu dem Jahre, wo die Geschlechtsreife eintritt, etwas ist, unter dessen Einfluß der Mensch stehen muß, wenn er sich gesund entwickeln will. Denn eine zweite Epoche in der menschlichen Kindheit ist diese vom Zahnwechsel bis zu der Geschlechtsreife, bis zum vierzehnten Jahre ungefähr. Ungefähr, sage ich; hier ist nicht irgendein Zahlenspiel in Frage kommend, sondern es sind die wichtigen Abschnitte, die Umänderungen der Lebensmetamorphosen sind es, die in Frage kommen. Mit diesem vierzehnten Jahre ungefähr wird der Mensch geschlechtsreif. Da tritt eine vollständige Umwandlung seines Seelenlebens ein, da tritt dasjenige ein, was ihn innerlich befähigt, selbständig zu urteilen, der Welt sich entgegenzustellen mit dem, was als Urteil in seinem Inneren entsteht, während er vom siebenten bis vierzehnten Jahr recht gedeiht, wenn er neben sich die Autorität haben kann, zu der er aufschaut.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"5. Die geistigen Kräfte in der Erziehungskunst und im Volksleben","site_heading":null,"date":"1920-03-18","location":null,"word_count":415,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/334/1920-03-18/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/334/1920-03-18/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/334/1920-03-18/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}