5. Die geistigen Kräfte in der Erziehungskunst und im Volksleben

GA 334/1920-03-18/p024 ·1920-03-18 · original (original)
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Bevor nicht von einer genügend großen Anzahl von Menschen energisch verlangt wird dasjenige, was notwendig ist zu einem Neuaufbau, wird es nicht aus irgendwelcher Ecke von selbst heraus kommen. Die heutige Menschheitsentwickelung ist dazu veranlagt, aus dem Wollen, aus dem bewußten Wollen heraus die großen Lebensziele zu fordern. Jene Politik haben wir lange genug getrieben, die immer diplomatisch hinschaut auf dasjenige, was dort [Lücke] und nach der man sagt: es wird sich schon wieder geben. Heute sehen die Menschen, wie es täglich schlechter wird; jeden Tag von neuem glauben sie, es bleibe bei dem, was gerade eingetreten ist. Man hat nicht den geringsten Sinn dafür, daß erkannt werden muß im Niedergange die Kraft des Aufganges. Und so wird man, wie in der Erziehungskunst, auch im Volksleben suchen müssen selbst diejenigen Kräfte, die zum Neuaufbau führen können. Es können auch da nur jene Kräfte sein, welche da kommen aus dem Geiste, aus der Erkenntnis des Geistes, aus dem Anschauen des Geistes. Wie stehen sich doch jene zwei Seelenelemente in unserem sozialen Leben, in unserem Volksleben heute gegenüber, auf die ich hingedeutet habe! Das abstrakte Denken, das eigentlich jeder Mensch hat — es ist ja ganz gleichgültig, ob man herausgewachsen ist aus der Schusterwerkstätte, der Sohn des Schusters ist oder [Lücke], wenn man es bis zu einer Stufe des Denkens gebracht hat. Dieses Denken, es ist unabhängig vom Persönlichen, von diesem Denken aus hat man seinen Standpunkt. Aber diese Standpunkte sind ja alle eigentlich nicht notwendig, denn jeder Mensch hat eigentlich das Recht für seinen eigenen Standpunkt, und er könnte eigentlich mit diesem Standpunkt als ein Einsamer durch die Welt ziehen. Man braucht gar nicht miteinander zu leben, wenn jeder «seinen Standpunkt» hat, wenn keiner dem anderen etwas zu sagen hat.

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