{"corpus":"steiner","locus":"GA 334/1920-03-18/p028","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Aber niemals wird im Menschenleben das, was in ihm als abstraktes Denken vorhanden ist, was bei allen Menschen gleich ist, Ja sagen können zu diesem Kampf ums Dasein, das wird immer unzufrieden sein mit diesem Kampf ums Dasein, das wird immer nach Harmonie, nach Überwindung des Kampfes ums Dasein hinstreben. Wenn wir aber nicht dazu gelangen, hineinzugießen wirkliche Geistigkeit in den abstrakten Intellektualismus, so wird die Welt der Abstraktion zu schwach sein, um aus dem sozialen Leben den Egoismus herauszubringen. Und auf der anderen Seite wird der Egoismus brutal bleiben, wenn in ihn nicht hineingegossen wird dasjenige, was nur Geist-Erkenntnis, Geistesschau über den Menschen bringen kann. Dasjenige, was im Menschen heute dualistisch auftritt, auf der einen Seite der abstrakte Intellektualismus, auf der anderen Seite das bloße Walten der Instinkte, es kann nur seinen Ausgleich finden dadurch, daß beides durchdrungen werden kann vom Geiste. Werden die Gedanken vergeistigt, dann werden sie an den individuellen Menschen herangebracht und machen diesen individuellen Menschen zu dem, der nicht nur recht haben will, der nicht nur dasjenige geben kann, was die anderen nicht wollen, sondern der sich mit den anderen Menschen fortwährend auseinandersetzen muß, fortwährend mit den anderen Menschen gewissermaßen anstelle der Phrasensprache die Gedankensprache führen muß. Die wird aber nur geführt aus einem Geistesleben heraus, das nicht bloß auf die Erinnerung gebaut ist, sondern das wie Hunger und Durst auf die tägliche Erneuerung, auf die Metamorphose des Lebens gebaut ist, das immerfort sich erneuern muß, wenn es auch bis zum Höchsten schon gediehen wäre. Das kann nur geschehen, wenn die Instinkte durchdrungen werden von denjenigen Gedanken, die auf die Art entstehen, wie ich das heute geschildert habe. Dann wird der Mensch innerhalb seiner wirtschaftlichen Assoziationen dasjenige wollen können, was über den einzelnen Menschen hinausgeht. Dann wird das Wirtschaftsleben durchgeistigt sein können. Es ist schon so, wo man die Welt auch anfaßt heute, wo man hineinschaut ins wirklichkeitsgemäße Leben, da ergibt sich die Notwendigkeit zu dem, was man als Dreigliederung des sozialen Organismus fordern kann. Das ist nicht eine Utopie. Als Utopie bezeichnen die Dreigliederung nur diejenigen Menschen, die keinen Wirklichkeitssinn haben, die selber Utopisten sind, und die daher alles dasjenige, was ihnen in ihre Utopien nicht hineinpaßt, zur Utopie erklären.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"5. Die geistigen Kräfte in der Erziehungskunst und im Volksleben","site_heading":null,"date":"1920-03-18","location":null,"word_count":366,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/334/1920-03-18/p028","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/334/1920-03-18/p028"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/334/1920-03-18/p028","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}