5. Die geistigen Kräfte in der Erziehungskunst und im Volksleben

GA 334/1920-03-18/p037 ·1920-03-18 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man nicht durch Schwätzen, sondern durch die Tat dasjenige begründen will, was gleiches Recht für alle ist, so muß man sich wirklich nicht in geschwätziger Weise über den Unterschied zwischen Unternehmer und Arbeitern aufregen, der da heute trotz allen Geschwätzes doch noch vorhanden ist; er ist einfach als eine Tatsache da, und wenn man heute redet, so kann man nun wahrhaftig diesen Unterschied vorläufig nicht hinwegwischen. Es handelt sich darum bei der Waldorfschule, daß in der Tat das Proletarierkind sitzt neben dem Unternehmerkind. Die Kinder werden in vollständiger Einheit erzogen, und da wird durch die Tat gleiches Recht für alle begründet! Während mit allem Geschwätz und allem agitatorischen Herumreden: es müssen nicht «Unternehmer» und «Arbeiter» da sein, man noch nichts erreichen wird, sondern sie müssen gleiches Recht haben. Kurz, mit Schwätzen läßt sich die Frage nicht lösen, einzig und allein dadurch, daß man Ziele schafft, und vor allen Dingen die wirkliche Lösung der sozialen Frage ins Auge faßt. Dadurch, daß man immer dann, wenn es sich um die Tat handelt, hineinschwätzt mit agitatorischen Phrasen, dadurch kann doch nicht ein einziger Schritt zur Besserung jemals gemacht werden! Das ist es, worauf es heute ankommt, zu unterscheiden zwischen Tat und Schwätzen. Wenn man diesen Unterschied nicht machen wird zwischen den Schwätzern und denjenigen, die etwas tun wollen, wird man nicht auf einen grünen Zweig kommen, sondern es werden die Schwätzer alle soziale Ordnung geradezu totreden. Mit schönem Geschwätz ist in unserer heutigen Zeit nichts zu erreichen, wenn dieses Geschwätz noch so sehr von Gleichberechtigung ausgeht. Gleichberechtigtheit muß begründet werden, von Gleichberechtigtheit bloß zu schwätzen, damit ist gar nichts erreicht.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/334/1920-03-18/p037.json
Cite: GA 334/1920-03-18/p037 · edition original