10. Seelenwesen und sittlicher Menschenwert im Lichte der Geisteswissenschaft (Anthroposophie)

GA 334/1920-05-05/p004 ·1920-05-05 · original (original)
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Die naturwissenschaftliche Weltanschauung ist ja immer mehr und mehr dazu gekommen, darauf hinzuweisen, daß alles dasjenige, was in der Welt geschieht, naturgesetzlich notwendig geschieht. Und sie ist immer mehr und mehr dahin gekommen, in diese Naturgesetzlichkeit nur dasjenige einzuschließen, was im Grunde genommen gar nichts zu tun hat mit dem sittlichen Menschen. Und so haben wir entstehen sehen, eigentlich so recht deutlich erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts, ein naturwissenschaftliches Weltbild, zusammengefügt aus den verschiedenen Ergebnissen des naturwissenschaftlichen Denkens, das ungefähr sagt zunächst für unsere Erde und was zu ihr gehört: diese Erde sei ein Glied eines allgemeinen Systems, unseres Sonnensystems, und sie sei mit demselben hervorgegangen aus einer Art Urnebelzustand, habe sich da herausgeballt, habe sich abgesondert im Laufe der Zeit. Dann seien entstanden die Wesen des mineralischen, des pflanzlichen, des tierischen Reiches, durch die Vervollkommnung der tierischen Form auch der Mensch. Es werde, indem jene naturgesetzliche Norwendigkeit des Kräftewirkens, welche den Weltengang bis zu diesem Zeitpunkt und bis zu dieser gegenwärtigen Gestalt geführt habe, weitergehe, einmal dasjenige, was jetzt von Menschen bewohnt ist als Erde, menschenleer sein, tierleer sein, pflanzenleer sein, es werde wiederum verschwinden in den allgemeinen Weltenprozefß hinein.

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