10. Seelenwesen und sittlicher Menschenwert im Lichte der Geisteswissenschaft (Anthroposophie)
Ich habe viele Menschen kennengelernt, die dieses sittliche Leben wie eine Art vergänglichen Rauch ansehen, der aufsteigt, eigentlich die Illusion eines Rauches, die aufsteige aus dem naturwissenschaftlichen Geschehen, den Menschen illusionär eine Zeitlang erfülle, um dann für immer zu verschwinden. Und wie sollte man denn eigentlich anders denken, wenn man ganz ehrlich ist, als daß dasjenige, was in dem Kopfe des Menschen entsteht, nachdem der Mensch im Laufe von Jahrmillionen aus niederen Tierformen sich herausgebildet hat, wie sollte man anders denken, als daß das, was da im Kopfe des Menschen als Ideale ersteht, auch wiederum spurlos verschwunden sein werde, wenn die Erde in den Zustand zurückfällt, in den sie sich in dem allgemeinen Weltenlauf auflöst. Es wäre eben eine Episode gewesen, daß die Menschen sich sittliche Ideale vorgesetzt hätten. Die Menschen hätten unter dem Einfluß dieser sittlichen Ideale gehandelt. Alle diese sittlichen Ideale hätten eben nichts mehr zu bedeuten, als daß sie illusionäre Blasen seien, die aufgestiegen wären, nach welchen die Menschen ihr Leben eingerichtet hätten, und die weiter keine Folgen in der Weltenentwickelung hätten.
Cite:
GA 334/1920-05-05/p008 · edition original