{"corpus":"steiner","locus":"GA 334/1920-05-05/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sehen wir uns einmal um in der Zeit, in der mit voller Frische und mit vollem Feuer das naturwissenschaftliche Weltbild heraufgezogen ist in der zivilisierten Welt. Es war ungefähr in der Mitte des 19. Jahrhunderts, wo, ich möchte sagen, nicht so schläfrig und inkonsequent wie heute, sondern aus vollem Feuer heraus die Materialisten die Nägel geschlagen haben dazu, wie man aus dem Gedanken heraus - alles ist nur so geordnet, wie Physik, Chemie, Biologie es wollen —, wie man aus diesem Gedanken heraus gedacht hat über die sittlichen Werte; davon möchte ich doch einige Proben geben, die vielleicht heute nicht mehr genügend bekannt sind. Sehen Sie, in der Zeit, in welcher der Materialismus, ich möchte sagen, in seiner Jugendfrische durch die europäische Zivilisation zog, da war ein Geschichtsschreiber Hellwald; er schrieb vom Standpunkte des naturwissenschaftlichen Weltbildes aus eine Kulturgeschichte. Er sagte sich, indem er die wirkliche, wahre Konsequenz dieses naturwissenschaftlichen Weltbildes zog: Sittliche Ideale, überhaupt sittliche Ideen des Menschen, das sind Illusionen. Wie soll man nach dem notwendigen Geschehen, wie es die Chemie annimmt, wie es die Physik annimmt, an irgendwelche objektive Berechtigung von sittlichen Ideen denken? Aber die Menschen haben immer sittliche Ideen gehabt. Das muß einfach naturwissenschaftlich erklärt werden, sagt der Kulturhistoriker Friedrich von Hellwald. Vorerst aber drückt er sich über die sittlichen Ideale vom rein wissenschaftlichen, das heißt damals naturwissenschaftlichen Standpunkte aus. Diese Art des Sich-Ausdrückens, die möchte ich doch einmal in einer Probe vorführen. Er sagt: «Aufgabe der Wissenschaft ist es, alle Ideale zu zerstören, ihre Hohlheit, Nichtigkeit zu erweisen, zu zeigen, daß Gottesglaube und Religion Trug, daß Sittlichkeit, Liebe, Freiheit und Menschenrecht Lügen sind.»","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"10. Seelenwesen und sittlicher Menschenwert im Lichte der Geisteswissenschaft (Anthroposophie)","site_heading":null,"date":"1920-05-05","location":null,"word_count":269,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/334/1920-05-05/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/334/1920-05-05/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/334/1920-05-05/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}