10. Seelenwesen und sittlicher Menschenwert im Lichte der Geisteswissenschaft (Anthroposophie)
Wenn man als Geistesforscher weitergeht in der Heranbildung jener Methode, durch die man eintreten kann in die geistige Welt, dann muß man ja dasjenige, was sich da abgegliedert hat im siebenten Jahre als denkerische Tätigkeit, als Vorstellungstätigkeit, durch Meditation — wie ich es gestern angedeutet habe — weiter ausbilden. Dann muß man so stark in Gedanken innerlich arbeiten, wie der Gedanke arbeitet in den ersten sieben Lebensjahren, wenn er nicht bloß Gedanken eben vor das Bewußtsein zu zaubern hat, sondern wenn die Gedankenkraft so stark im Organismus arbeitet, daß sie es zuletzt dahin bringt, die Zähne herauszugestalten aus dem Organismus. Arbeitet man durch Meditation sich in eine solche verstärkte Gedanken- und Vorstellungstätigkeit hinein, dann merkt man aber auch den Unterschied zwischen diesem Denken, das einem dann unmittelbar in die Anschauung der geistigen Welt hinein bringt, das einen unmittelbar erkennen läßt, wie der Mensch aus einem Geistig-Seelischen heruntergestiegen ist durch die Geburt in sein physisches Dasein, und kann dann vergleichen dasjenige, was man sich so, ich möchte sagen, künstlich durch Meditation errungen hat, mit dem, was das gewöhnliche menschliche Denken ist.
Cite:
GA 334/1920-05-05/p020 · edition original