10. Seelenwesen und sittlicher Menschenwert im Lichte der Geisteswissenschaft (Anthroposophie)

GA 334/1920-05-05/p036 ·1920-05-05 · original (original)
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Das scheint heute vielleicht fanatisch gesprochen, das scheint heute vielleicht radikal gesprochen. Jeder klopfe sich selber an seine Brust und frage, aber er frage ernst genug, und ich glaube nicht, daß der Ernst eine andere Antwort geben könne. Und dann sehe man hin auf eine solche Weltanschauung, die so vom Seelenwesen aus den sittlichen Menschenwert wiederum erobern will, wie sie genötigt ist, eben vom Geiste aus den sittlichen Menschenwert wieder zu suchen, wie sie brechen muß mit demjenigen, was die mannigfaltigsten Vorurteile unserer Zeit geworden sind: Konstanz der Energie, Konstanz der Substanz und so weiter. Man sehe hin auf diese Geisteswissenschaft: sie muß eine ganz andere Art des Vorstellens, eine ganz andere Art des Sich-zur-Welt-Stellens sich aneignen. Sie kommt dadurch dazu, so auf dasjenige hinzuschauen, was scheinbar nur Gedanke ist, was scheinbar ganz verdünnter Gedanke nur ist, der dahinhuscht und verschwindet, sie kommt dazu, das als den Keim zu einer neuen Realität, nachdem die ganze Erde verschwunden sein wird, zu halten. Diese Geisteswissenschaft wird von dem, der die Sache ernst meint, als eine Notwendigkeit unserer Zeit empfunden werden. Sie wird aber auch von dem Religiösen, von dem wahrhaft Religiösen unserer Zeit als eine Notwendigkeit empfunden werden müssen. Unsere Zeit braucht die Möglichkeit, begreifen zu können, wie etwas Geistiges sich hineinstellen kann in diese physische Welt.

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