7. Fragen der Seele und Fragen des Lebens Eine Gegenwartsrede
Und so kann man sagen: Selbst diejenigen, welche gewissermaßen offiziell Frömmigkeit vertreten — wie sollte man denn nicht glauben, daß der Jesuitismus selbstverständlich offiziell die Frömmigkeit vertritt -, selbst die sind aus dem, was sich abgespielt hat im Laufe der neueren Zeit, krasse Materialisten. Und so können wir natürlich immer sehen, daß die Leute am Sonntag in die Kirche gehen und da anhängen dem, was sie nicht verstehen, und in der Woche nur dasjenige verstehen, was aus dem Untergrund der materialistischen Weltanschauung herauskommt. Diese Sachlage ist es eigentlich - das habe ich auch hier öfter betont -, die uns hineingeführt hat in die Not der neuesten Zeit. Denn es ist ja leicht einzusehen, daß aus solchen Verhältnissen heraus der Mensch nicht jene Wege der Seele finden kann, welche ihn hinführen zu den Wegen des Lebens. Aus demjenigen, was auf der einen Seite unverstandener, nur traditionell und noch dazu traditionell unrichtig überlieferter Geist ist, und aus dem, was nur Materialismus ist, kann die Seele sich nicht jene Wege zimmern, die sie hineinführen in ein starkes, in ein sicheres Sichbewegen auf den Wegen des Lebens.
Cite:
GA 335/1920-06-15/p010 · edition original