7. Fragen der Seele und Fragen des Lebens Eine Gegenwartsrede

GA 335/1920-06-15/p013 ·1920-06-15 · original (original)
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Denn das ist, was wir auf der einen Seite ganz besonders notwendig haben: Klarheit des inneren Strebens — jene Klarheit des inneren Strebens, die ja den wahren Naturforscher heute auszeichnet beim äußeren Streben, aber eben eine Klarheit des inneren Strebens. Das ist es, was wir auf der einen Seite verlangen. Nicht Dunkelheit und Dämmerung, nicht dämmerhafte Mystik, sondern helle, lichte Klarheit in alledem, womit das Denken etwas zu tun hat. Das ist das eine. Das andere, worauf gegründet werden sollte und was ich aussprechen wollte durch meine «Philosophie der Freiheit», das ist das soziale Vertrauen. Wir leben in einem Zeitalter, in dem jeder einzelne innerhalb seines individuellen Bewußtseins streben muß nach der Richtung seines eigenen Denkens, Fühlens und Wollens. Wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der die Menschen es ertragen, nur durch Autorität geführt zu werden; wir leben auch nicht in einer Zeit, in der die Menschen es wahrhaft ertragen, daß ihr ganzes Leben organisiert werde. Das Organiisieren hat sich ja nur ergeben wie eine Art von Gegenpol.

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Cite: GA 335/1920-06-15/p013 · edition original