{"corpus":"steiner","locus":"GA 335/1920-06-15/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Die Frage ist heute ein Unding: Ist das Denken nur ein Ergebnis des Gehirns oder nicht? - Es ist Ergebnis des Gehirns, wenn wir es nicht erst loslösen von diesem Gehirn. Hier weise ich hin auf einen ganzen Knäuel von Irrtümern, in die die heutige Menschheit verstrickt ist, denn wir sind heute durch dasjenige, was sich die Menschheit im Laufe der geschichtlichen Entwicklung errungen hat, in der Lage, unser Denken bei voller, lichter Klarheit loszulösen von der Leiblichkeit. Wie löst man es los? Nicht etwa dadurch - das habe ich auch schon oftmals betont —, daß man unweigerlich selber Geistesforscher werden müßte, obwohl bis zu einem gewissen Grade jeder es werden kann, wenn er beachtet, was in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», in meiner «Geheimwissenschaft» und anderen dergleichen Büchern steht, aber man braucht das nicht einmal. Man braucht nur entgegenzunehmen vom Geistesforscher dasjenige, was er der Welt zu sagen hat —- so wie man vom Astronomen, vom Chemiker, vom Physiker dasjenige entgegennimmt, was der Astronom, der Chemiker, der Physiker zu sagen hat. Man braucht nur heranzugehen an dieses Entgegenzunehmende mit seinem gesunden Menschenverstand. Aber man wird dann eine gewisse Entdeckung machen. Man wird die Entdeckung machen: Wenn du noch so lange mit deinem bloß an der Naturwissenschaft, an dem heutigen Leben herangezogenen Denken, mit deinem materiellen Denken das verfolgst, was der Geisteswissenschafter sagt, dann erscheint es dir als Phantastik, als Schwärmerei, als etwas, was du ablehnen mußt. Du begreifst erst das, was der Geistesforscher sagt, wenn du dir bewußt bist, daß das Denken losgelöst werden kann von der Leiblichkeit, daß du dich vertiefen kannst in dasjenige Denken, das hereingezogen ist aus geistigen Welten heraus bei der Geburt oder der Empfängnis, das hineinziehen wird in geistige Welten, wenn du durch die Pforte des Todes gehst. - Loslösung des Denkens von der Leiblichkeit ist ein erstes großes Ziel auf jenen Wegen, die verfolgt werden müssen von der Seele im heutigen Leben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"7. Fragen der Seele und Fragen des Lebens Eine Gegenwartsrede","site_heading":null,"date":"1920-06-15","location":null,"word_count":323,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/335/1920-06-15/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/335/1920-06-15/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/335/1920-06-15/p020","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}