7. Fragen der Seele und Fragen des Lebens Eine Gegenwartsrede
Wir lebten eben in der neueren Zeit uns in soziale Verhältnisse herein, die — aus den perversen menschlichen Instinkten heraus — das volle Gegenteil suchten von dem, was man hätte anstreben müssen aus der Erkenntnis des wahren, tieferen Zieles der modernen Menschheit — das ist die furchtbare 'Tragik der neuesten Zeit. Es ist aber auch die unbedingte Notwendigkeit der neuesten Zeit für ein Streben nach der Zukunft hin, daß wir erkennen: So muß die soziale Ordnung gebaut werden, wie sie nur gebaut werden kann auf ein freies Denken, auf Vertrauen, auf dasjenige, was Goethe meinte, als er die Pflicht definieren wollte, und sagte: Pflicht ist, wenn ich liebe, was ich mir selbst befehle.
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GA 335/1920-06-15/p025 · edition original