7. Fragen der Seele und Fragen des Lebens Eine Gegenwartsrede

GA 335/1920-06-15/p029 ·1920-06-15 · original (original)
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Dieser Gervinus, was hat er als sein eigenes, gutgemeintes Ergebnis ausgesprochen gerade in seiner Geschichte der deutschen Literatur? Das Merkwürdige hat er ausgesprochen: Die deutsche Dichtung ist mit Goethes Tode zu Ende. — Man denke nur, meine sehr verehrten Anwesenden, derjenige, der zuerst mit aller tiefen Liebe diese deutsche Literatur geschildert hat, er hat am Schlusse seiner Schilderung ausgesprochen, daß das deutsche Volk nicht ferner hinhören solle auf dasjenige, was von allerlei Lyrikern und dergleichen kommt, sondern daß man sich bewußt werden soll desjenigen, was bis 1832 aus dem tiefsten Wesen der Deutschheit heraus sich an die Oberfläche gerungen hat. Des ferneren aber, meint Gervinus, muß sich das deutsche Volk nicht mehr widmen der Lyrik und Dramatik, nicht mehr der Belletristik, sondern der Politik, der Praxis. Die Zeit der Praxis sei gekommen. In einer merkwürdigen Weise trat mir da der erste Keim davon entgegen; ich fühlte ihn dazumal vor reichlich vierzig Jahren, als ich in der Technischen Hochschule in Karl Julius Schröer, meinem lieben alten Freunde Schröer, den ganzen Gervinismus in dieser Weise überliefert bekam. Ich empfand dazumal etwas, was ein Keim war von einem anderen, das einem in voller Ausbildung, möchte ich sagen, heute entgegentrritt.

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Cite: GA 335/1920-06-15/p029 · edition original