{"corpus":"steiner","locus":"GA 335/1920-06-15/p032","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich habe gesagt: Wenn jemand dieselbe Betrachtungsweise, die uns geworden ist aus der Naturwissenschaft heraus, die unsere Gedankenformen erfüllt mit naturwissenschaftlichen Gestaltungen, wenn jemand diese auf die Geschichte anwendet, dann sieht er in der Geschichte nur dasjenige, was zum Niedergang führt. Denn in der Geschichte gibt es immer Kräfte, die Niedergangserscheinungen bewirken. Und verfolgt man die Geschichte nur mit den Methoden, die in der Naturwissenschaft üblich sind, wie es zum Beispiel der englische Kulturhistoriker Buckle getan hat und die, die ihm folgten, dann sieht man in der Geschichte nur dasjenige, was zu dem Untergang führt, dann sieht man nur die Abendröte der Geschichte. Um das zu sehen, was in der Geschichte die Aufstiege bewirkt hat, hat man nötig, in die geistige Welt hineinzuschauen. Dasjenige, was in der Geschichte die Aufstiege bewirkt, sind Impulse, die aus der geistigen Welt hervorgehen. Ich habe hier schon darauf hingewiesen, daß wir zum Beispiel durch Gibbon eine vorzügliche, aus dem naturwissenschaftlichen Zeitalter heraus geschriebene Geschichte über die Dekadenz des Römertums haben. Was uns aber heute noch fehlt, ist eine Geschichtsdarstellung desjenigen, was als der Impuls des Christentums in die untergehende römische Welt hineingefallen ist. Man kann das, was im Römertum unterging, mit naturwissenschaftlicher Denkweise beschreiben; nicht aber kann man das, was im Christentum aufstieg, mit naturwissenschaftlicher Denkweise beschreiben. Ich habe auf das hingewiesen. Und was folgt aus dem, worauf ich so hingewiesen habe — scheinbar vielleicht nur ideell, scheinbar nur in Gedanken, in Wirklichkeit aber im Hinblick auf die Wege des Lebens? Was folgt daraus?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"7. Fragen der Seele und Fragen des Lebens Eine Gegenwartsrede","site_heading":null,"date":"1920-06-15","location":null,"word_count":250,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/335/1920-06-15/p032","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/335/1920-06-15/p032"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/335/1920-06-15/p032","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}