7. Fragen der Seele und Fragen des Lebens Eine Gegenwartsrede

GA 335/1920-06-15/p037 ·1920-06-15 · original (original)
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Meine sehr verehrten Anwesenden, diese Idee ist keine christliche. Diese Idee ist eine aristotelische. Aristoteles war es, der aus der Dekadenz des Griechentums heraus, aus nicht mehr verstandenem Platonismus heraus, diese Entstehung der Seele mit dem Leibe gelehrt hat und damit die einseitige Unsterblichkeit bloß nach dem Tode. Und so vertreten die christlichen Bekenntnisse, indem sie die Präexistenz leugnen, nicht etwas Christliches, sondern sie vertreten etwas Aristotelisches, etwas, was durchaus in seinen Tiefen mit dem Christentum nichts zu tun hat. Und kommt dann Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, und deckt den ganzen Tatbestand auf, dann kommen die «Trauben» wie der Pfarrer, der Professor Traub, und erklären, die Geisteswissenschaft schreibe ja bloß ab. Nein, so ist es nicht. In Wahrheit stimmt man mit Bezug auf gewisse elementare Dinge ebenso mit alten Wahrheiten überein, wie man heute in der Geometrie übereinstimmt mit dem alten Euklid. Aber diese Leute wie Traub haben alles Interesse, Schutt zu werfen über dasjenige, was in älteren Zeiten da war, weil man ja, wenn man unbefangen studiert, darin erkennen würde, woher ihre eigene Weisheit ist. Gerade ihre Weisheit ist von alledem entlehnt, was sie aber begraben wollen, damit man nicht dahinterkommt. Daher machen sie die Leute graulich, als wenn Anthroposophie schöpfe aus der Gnosis und dergleichen, damit die Leute die Gnosis für etwas Gefährliches halten und nicht selber nachschauen, wie zwar nicht in die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, wohl aber in den modernen Bekenntnisinhalt diese Gnosis geflossen ist, indem man in die Dekadenz gebracht hat, was in der Gnosis lebte.

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Cite: GA 335/1920-06-15/p037 · edition original