7. Fragen der Seele und Fragen des Lebens Eine Gegenwartsrede
Die Art und Weise, wie man ein solches Wollen, wie es von hier ausgeht, beurteilt — sie mußte in der Nummer 50 unserer Zeitung «Dreigliederung des sozialen Organismus» von Eugen Kolisko unter dem Titel «TIheologenkritik und Gewissenhaftigkeit» gekennzeichnet werden. Es mußte wieder einmal gekennzeichnet werden anhand des Buches eines Universitätsprofessors, des Dr. Philipp Bachmann, Professor der Theologie an der Universität Erlangen. Dieses Buch «Tod oder Leben?» ist hier in Stuttgart erschienen. Lesen Sie den Artikel, den Herr Dr. Kolisko geschrieben hat, und Sie werden sehen, daß er mit Recht am Schluß seine Besprechung in folgende Sätze zusammenfaßt, welche durchaus eine Charakteristik sind jener heute bloß durch Diplome und äußere Stellung wirkenden Wissenschaft, die aber innerlich hohl ist und die gerade immer diejenigen Kräfte entwickelt, die von dem angeblichen Geiste aus nur in den Niedergang hineinführen müssen. Man muß heute den Mut haben, nicht bloß im Allgemeinen, im Abstrakten die Niedergangserscheinungen zu charakterisieren, sondern man muß mit hellem Lichte hinleuchten darauf, wie wir heute ein angebliches Geistesleben haben, das selbst in den einfachsten Dingen mit einer Gewissenlosigkeit arbeitet, die nur noch parallel geht ihrer Gedankenlosigkeit, ihrer Unwissenheit. Das, meine sehr verehrten Anwesenden, darf man sich nicht verhehlen, wenn man heute sprechen will von den Einklängen zwischen den Wegen der Seele und den Wegen des Lebens.
Cite:
GA 335/1920-06-15/p044 · edition original