{"corpus":"steiner","locus":"GA 336/1919-02-14/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich erinnere, um mich über das, was ich eigentlich meine, so recht verständlich zu machen, an jene Stelle im zweiten Teile von Goethes «Faust», wo Wagner in der Retorte den Homunkulus, ein künstliches Menschlein, erzeugt. Goethe weist hin für dasjenige, was er gerade an dieser Stelle seines «Faust» darstellen will, auf die mittelalterlich abergläubische Alchimie, die da glaubte, durch künstliches, denkerisches Verarbeiten von irgendwelchen Stoffen und Kräften, im chemischen Laboratorium einen Menschen herstellen zu können. Weiteste Kreise halten aus den Grundlagen des gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Denkens solche alchimistische Bestrebungen, künstlich einen Organismus, einen menschlichen Leib zu erzeugen, für einen Aberglauben. Auf dem Gebiete des sozialen Denkens herrscht, wie gesagt, ohne dass die Menschen es merken, weil sich die Sache verhüllt, dieser alchimistische Aberglaube bis in unsere Gegenwart herein. Denn manches, was gedacht und getan wird, um die soziale Gliederung, die soziale Organisation der menschlichen Gesellschaft heute herbeizuführen, das gleicht dem Bestreben jenes Goethe’schen Wagner, der den Homunkulus künstlich im Laboratorium erzeugen will. Man denkt heute zusammenbrauen zu können aus irgendwelchen gesellschaftlichen Stoffen und Kräften in künstlicher Art den sozialen Organismus.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Die vom Leben geforderten wirklichkeitsgemässen Lösungsversuche für die sozialen Fragen und Notwendigkeiten aufgrund geisteswissenschaftlicher Lebensauffassung","site_heading":null,"date":"1919-02-14","location":null,"word_count":179,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/336/1919-02-14/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/336/1919-02-14/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/336/1919-02-14/p007","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"mixed_sources","scope":"volume","note":"This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage.","evidence":"aufgezeigt anhand von bislang unveröffentlichten Vorträgen, Notizen und Dokumenten","evidence_translation":"shown by means of previously unpublished lectures, notes and documents","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}