4. Die vom Leben Geforderten Wirklichkeitsgemässen Lösungsversuche für die Sozialen Fragen und Notwendigkeiten Aufgrund Geisteswissenschaftlicher Lebensauffassung

GA 336/1919-02-14/p056 ·1919-02-14 · original (original)
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Nicht zum Geringsten hat beigetragen zum Herablähmen der Stoßkraft des geistigen Lebens bis zu der toten Ideologie, die die moderne soziale Frage schafft, gerade diese Abhängigkeit des geistigen Lebens von dem Staatsleben. Denn nicht allein, dass etwa die Persönlichkeiten, von denen das geistige Leben getrieben wird, in Abhängigkeit kommen vom Staatsleben, dienen müssen demjenigen, was die Einrichtungen des Staatslebens sind — derjenige, der diese Dinge bis in ihre Tiefen betrachten kann, der weiß noch etwas ganz anderes, der weiß, dass die innere Gestalt, der Inhalt des geistigen Lebens selber abhängig wird von der Beziehung zu den anderen Organismen, die nur eine gesunde sein kann, wenn das geistige Leben sich in völliger Selbstständigkeit entwickelt, sonst kaschieren und maskieren sich auch die Abhängigkeiten. Tritt es selbstständig auf, tritt es in völliger Freiheit auf, ist es ganz auf sich selbst gestellt, dann wird sich ein gesundes Verhältnis zum Rechts- und Wirtschaftskörper ganz von selbst ergeben im Leben. Wie wir eigene Impulse einstellen; sonst bemerkt man aus gewissen Vorurteilen heraus die Dinge nicht. Nehmen wir einen Fall, der ja radikal wirken könnte, aber der durchaus charakteristisch ist. Nehmen wir an, irgendein junger Student will sein Doktorexamen machen auf dem Gebiete der Philologie. Er bekommt den Rat, zu schreiben, sagen wir, über Empfindungswörter bei irgendeinem alten römischen Schriftsteller oder über die [Parenthesen] bei Homer. Solch eine Aufgabe hat sogar ein junger Freund von mir machen müssen. Zu solch einer Arbeit braucht ein junger Mensch ein Jahr ausgiebiger Arbeit.

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Cite: GA 336/1919-02-14/p056 · edition original