4. Die vom Leben Geforderten Wirklichkeitsgemässen Lösungsversuche für die Sozialen Fragen und Notwendigkeiten Aufgrund Geisteswissenschaftlicher Lebensauffassung
Derjenige, der so schlafend im heutigen Wissenschaftsleben drinnensteht, der wird etwa da sagen: Nun ja, wissenschaftliche Interessen. Die Wissenschaft fordert eine solche Untersuchung über die Empfindungswörter eines alten römischen Schriftstellers, oder über die [Parenthesen] bei Homer. Damit ist der Wissenschaft ein Dienst geleistet. Aber es ist etwas [anderes] zu bedenken. Es ist das gesunde Verhältnis einer solchen Arbeit zu dem gesamtmenschlichen Leben zu betrachten. Das muss durchsichtig werden im gesamten menschlichen [sozialen] Organismus. Der Student, der ein Jahr lang arbeitet, um festzustellen die verborgenen [Parenthesen] bei Homer, der isst, der trinkt, der kleidet sich ein Jahr. Das heißt: Für diese Arbeit müssen eine Anzahl von Menschen arbeiten, Arbeit leisten ein Jahr hindurch, um ihn zu ernähren, um ihn zu kleiden, damit er in der Zeit dasjenige machen kann, was ganz gewiss nicht in einem angemessenen Interesse sich hineinstellt in den gesunden menschlichen [sozialen] Organismus! Denn mit einem angemessenen Interesse stellt sich nur dann eine geistige Leistung in den gesunden menschlichen Organismus hinein, wenn sie verlangt wird, wenn ein Bedürfnis nach ihr vorhanden ist. Das ist es, worauf es ankommt.
Cite:
GA 336/1919-02-14/p057 · edition original