7. Die Kernpunkte der Sozialen Frage

GA 336/1919-04-04/p047 ·1919-04-04 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «aufgezeigt anhand von bislang unveröffentlichten Vorträgen, Notizen und Dokumenten» (shown by means of previously unpublished lectures, notes and documents). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Nicht bloß, dass die wissenschaftlichen Anstalten, dass die Schulanstalten vom Staate verwaltet werden, sondern in den Inhalt des Geisteslebens selbst hinein ist gedrungen dasjenige, was vom Staate ausfließt, und die Wissenschaft ist nicht dasjenige geworden, was sie vielfach nach den Verfassungen des einen und des anderen Landes ist: freie Forschung, freie Lehre —, nein, die Wissenschaft ist geworden Staatsdienerin. Es gibt schon Staaten, in denen die neuere Wissenschaft zwar nicht nachträgt der Theologie die Schleppe, aber die, gerade die letzten Jahre haben es gezeigt, dass diese Wissenschaft ganz stark sich anhängt an die Säbelschnur (Heiterkeit) und der Garnisonsordnung nicht ganz fernesteht, und dasjenige, was sich als die Anschauung des Proletariats von dieser Wissenschaft ausgebildet hat, es ist vielleicht doch nicht so unwichtig, wenn es sagt: Diese Wissenschaft ist als Ideologie nur das Spiegelbild der herrschenden Wirtschafts- und Staatsordnung. Haben denn nicht in der neueren Zeit auf dem Gebiete der Mathematik und Physik ähnliche Zustände geherrscht? Da ist es nicht so durchsichtig, da kann man nicht gleich staatsdienern; aber auf der anderen Seite, Gebiete, die gerade in das menschliche Leben einschlagen, da kann man recht stark schon staatsdienern. So wurde vielfach die Wissenschaft, namentlich der Geschichte - der kann man es ansehen, aber auch andere Zweige der Wissenschaft - eine Staatsdienerschaft. So wie die jeweiligen Machthaber es wollten, so wurde gelehrt; die jeweiligen Machthaber stellten sich ihre Theologen, Juristen, Mediziner, Philologen und so weiter an, und ein klares Spiegelbild der Staatsordnung wurde die Wissenschaft, die aber nur dann gedeihen kann, wenn sie auf sich selbst gestellt ist und auf ihrem eigenen Boden sich entwickelt.

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