7. Die Kernpunkte der Sozialen Frage
Wer über das Privateigentum zur Klarheit kommen will oder kommen möchte, genauer gesagt, der soll vor allen Dingen sich klar sein darüber, dass für den sozialen Organismus, für das soziale Leben das Besitzverhältnis nur ein Rechtsverhältnis sein kann. Zunächst ist es ein Vorrecht, ein Klassenverhältnis; aber es ist seinem Wesen nach ein Rechtsverhältnis. Denn was ist Besitz? Alles andere ist ja Wischiwaschi. Dasjenige, was an Besitz wichtig ist im sozialen Leben, das ist das Verfügungsrecht über irgendeine Sache. Das ist ein Recht, und das kommt als Recht in Betracht, kommt insofern in Betracht als ein Recht, als das Recht Gegenstand des politischen Staates sein muss, indem dieses Recht ausgemacht, geregelt wird von Mensch zu Mensch. Auf rein demokratischem Wege ist der Wirtschaftsstaat dasjenige, was ersteht aus menschlichen Bedürfnissen und aus der notwendigen Produktion heraus. So ist der Rechtsstaat dasjenige, was entsteht aus dem heraus, worinnen alle Menschen gleich sind, was alle Menschen angeht. Wir haben eine Verständigung von Mensch zu Mensch, die auf demokratischem Boden errichtet werden muss. Der Wirtschaftsorganismus wird sich entwickeln aus dem heraus, was sich in den Anfängen, aber eben nur in solchen Anfängen gezeigt hat im Genossenschaftswesen, Gewerkschaftswesen und so weiter aus den verschiedenen Berufsständen heraus, aus namentlich den Interessen, die sich entwickeln zwischen Produktion und Konsumtion, bei der sich Assoziationen bilden, und auf Grundlage dieser Assoziationen, die rein sachgemäß verwaltet werden, wird der Wirtschaftsstaat verwaltet werden, meinetwillen sage ich der Wirtschaftsstaat; ich könnte auch sagen, der Wirtschaftsorganismus verwaltet werden, der Wirtschaftskreislauf, in dem nur noch Ware zirkulieren wird. Und in diesem Wirtschaftsorganismus wird vor allen Dingen dasjenige walten, was heute noch von den Staatsgesetzen verwaltet wird, in diesem Wirtschaftsorganismus wird walten der Wert, die Währung des Geldes. Nicht der Staat wird durch Gesetze festzustellen haben, welches die Währung ist, wodurch die starken Preisschwankungen eigentlich zustande kommen, sondern im Wirtschaftsorganismus wird dasjenige eintreten können aus der bloßen Verwaltung dieses Wirtschaftsorganismus heraus, was Geldverwaltung ist. Geld ist dasjenige, was nach der Naturalwirtschaft die Menschen, die in einem sozialen Organismus leben, eben zur gemeinsamen Wirtschaft veranlassen. Geld kann nichts anderes sein als die Anweisung, die ich habe, auf Grundlage dessen, dass ich selber etwas hervorgebracht habe, die Anweisung, die ich habe, dass ich zur rechten Zeit auf Grundlage des von mir Hervorgebrachten, von einem anderen sein anders Hervorgebrachtes wieder bekommen kann. Das kann aber nur ausgemacht werden, was hier als die eigentliche Funktion des Geldes genannt ist, das kann nur ausgemacht werden auf dem Boden des Wirtschaftsorganismus.
Cite:
GA 336/1919-04-04/p059 · edition original