Die Übersinnliche Wesenheit des Menschen und die Entwicklung der Menschheit
Die Aufgabe der anthroposophischen Geisteswissenschaft ist es, für Menschen den Weg zu suchen in die übersinnliche Welt hinein, welche aufgenommen haben die Ideen, die Empfindungen, die Gefühle, die Willensimpulse der neueren Zeit, die aus der naturwissenschaft-wissenschaftlichen Weltanschauung hervorgegangen sind. Was von diesem Gesichtspunkte aus der gegenwärtigen Menschheit zu sagen ist, das wird in weitesten Kreisen heute entweder unverständlich oder auch unnötig gefunden. Man sagt dem Geistesforscher: Du bietest zwar Verständliches; nun ja, allerdings, so leicht Verständliches werde ich Ihnen gar nicht bieten können, als viele bieten möchten den heutigen Menschen noch, die ausgehen von der inneren Seelenbequemlichkeit, die in den heutigen Menschen gerade mit Bezug auf die höchsten Ziele des geistigen Menschenstrebens besteht. Jeder Mensch gibt heute zu, dass man einige Anstrengungen machen muss, wenn man kennenlernen will jene wissenschaftlichen Verrichtungen, die dazu führen, etwas zu wissen, sagen wir, über die Mondberge oder die Jupitermonde; oder über die Zellen des Organismus. Aber wenn es sich darum handelt, etwas zu erkennen über die übersinnliche Welt, da lehnt man es aus innerer Seelenbequemlichkeit heraus ab, einen ähnlichen schwierigen Weg zu gehen. Da heute sagen noch viele: Zu dem, was dem Menschen und der Welt zugrunde liegt als Übersinnliches, muss der Mensch kommen durch das einfältige Bekenntnis oder durch den bloßen einfältigen Bibelglauben. Zu kompliziert wird dasjenige befunden, was anthroposophische Geisteswissenschaft zu sagen hat. Aber hier liegt gerade einer der Hauptschäden unserer Zeit; einer derjenigen Schäden, die unserem verworrenen sozialen Streben zugrunde liegen.
Cite:
GA 336/1919-07-26/p006 · edition original