Die Übersinnliche Wesenheit des Menschen und die Entwicklung der Menschheit

GA 336/1919-07-26/p014 ·1919-07-26 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «aufgezeigt anhand von bislang unveröffentlichten Vorträgen, Notizen und Dokumenten» (shown by means of previously unpublished lectures, notes and documents). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Der Naturforscher redet mit Recht von gewissen Grenzen seines Naturerkennens. Und gerade die bedächtigsten Naturforscher, sie haben davon gesprochen, dass die Naturforschung immerzu den Menschen führt zu Begriffen, zu Vorstellungen, bei denen man nicht weitergehen kann im Naturforschen. Voreilige Menschen sprechen dann davon, dass bei solchen Grenzen eine Beschränkung des menschlichen Erkennens überhaupt läge. Der vorsichtige Naturforscher weiß, dass er nur mit dem Naturforschen nicht über diese Grenzen hinausgehen kann. Er wird daher, solange er Naturforscher bleibt, bei diesen Grenzen stehen bleiben; sagen wir, bei solchen Begriffen, die sich wie unüberbrückbare Fälle kundgeben der Naturforschung, wie zum Beispiel das Wesen der Materie, das Wesen der Kraft und viele andere; der Naturforscher bleibt da stehen. Der Geistesforscher kann das nicht. Der Geistesforscher beginnt gerade da, wo der Naturforscher stehen bleiben muss, seine Arbeit, indem er mit dem, was Grenze der Naturwissenschaft ist, innere Kämpfe ausfechten muss. Das ganze innere Seelenleben muss in Regsamkeit gebracht werden. Und während der Naturforscher an solchen Grenzen stehen bleibt, beginnt der Geistesforscher, lebendig sich hineinzufinden in Ideen und Begriffe und Empfindungen und Gefühle von solchen Grenzen. Dann erlebt er etwas, indem er immer mehr und mehr sich hineinfindet in das, worüber die Naturwissenschaft nichts sagen kann oder nichts sagen soll; dann empfindet er, was es eigentlich heißt, mit den Grenzen des Naturerkennens leben.

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Cite: GA 336/1919-07-26/p014 · edition original