Die Übersinnliche Wesenheit des Menschen und die Entwicklung der Menschheit

GA 336/1919-07-26/p025 ·1919-07-26 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «aufgezeigt anhand von bislang unveröffentlichten Vorträgen, Notizen und Dokumenten» (shown by means of previously unpublished lectures, notes and documents). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Aber derjenige, der das leibfreie Denken kennenlernt, der weiß aus unmittelbarer Erfahrung ein anderes. Ich möchte Ihnen dafür ein Bild hinstellen: Denken Sie sich, Sie gehen über einen aufgeweichten Weg; auf diesem Wege finden Sie Furchen; Sie finden menschlichen Fußtritten ähnliche Eindrücke in dem eingeweichten Erdreich. Glauben Sie, dass derjenige über diese Tatsache etwas Richtiges sagt, der nun glaubt, da unten, unter der Oberfläche der Erde, da sind Kräfte, die wirken so, dass oben an der Oberfläche so etwas erscheint wie Eindrücke menschlicher Fußtritte? Nein, derjenige beurteilt die Sachlage richtig, der weiß, dass von außen in das weiche Erdreich die Furchen eingedrückt worden sind. Derjenige, der das selbstständige, leibfreie Denken kennengelernt hat, der weiß, dass das Geistig-Seelische so unabhängig ist vom Nervensystem und vom Gehirn wie der Wagen, der hinrollt über die Straße, wie die Füße des Menschen, der hingeht über die Straße. Das leibfreie Denken gräbt in das Gehirn die Furchen ein. Kein Wunder, wenn sich das Denken im Laufe der Menschheitsentwicklung fortentfaltet, dass das Gehirn überall Abdrücke desjenigen zeigt, was das Denken entwickelt. Aber eine furchtbare, eine die Menschheit irreführende Illusion ist es, wenn man glaubt: Aus dem Innern des Nervensystems steigt dasjenige herauf, was das Gehirn furcht und dadurch das Denken in irgendeiner Weise bewirkt. Über dasjenige, was zur unsterblichen Menschenwesenheit führt, kann erst Aufschluss geben das aus der intellektuellen Bescheidenheit herausentwickelte und entfaltete lebendige, leibfreie Denken.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/336/1919-07-26/p025.json
Cite: GA 336/1919-07-26/p025 · edition original