Die übersinnliche Wesenheit des Menschen und die Entwicklung der Menschheit
Es muss ja zugegeben werden: Wenn man so spricht, spricht man heute noch von etwas recht Unverständlichem und Unglaublichem zu der gegenwärtigen Menschheit. Allein derjenige, der die Geschichte der Kulturentwicklung kennt, der weiß, in welch bedeutsamer Art sich die Menschen verhalten zu dem, was die großen Kulturfortschritte sind. Es war ja in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, als ein Ärzte-Kollegium und andere Gelehrten gefragt worden sind, ob man Eisenbahnen bauen solle. Da haben sie das Urteil abgegeben - ich erzähle kein Märchen, sondern etwas, was dokumentarisch verbürgt ist —, man solle keine Eisenbahnen bauen, denn sie würden die Gesundheit derjenigen untergraben durch die großen Erschütterungen bei der Fahrt, die in ihr fahren werden. Und wenn man sie schon doch bauen wolle, so sagten sie, wenn doch Menschen sich finden sollten, die in den Eisenbahnen fahren, dann müsse man wenigstens links und rechts von der Eisenbahn große, hohe Bretterwände aufrichten, damit diejenigen, an denen die Eisenbahn vorbeifährt, keine Gehirnerschütterung bekommen. — So äußerte sich die Furcht vor dem wirklichen Fortschritt.
Cite:
GA 336/1919-07-26/p029 · edition original