Die Übersinnliche Wesenheit des Menschen und die Entwicklung der Menschheit

GA 336/1919-07-26/p044 ·1919-07-26 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «aufgezeigt anhand von bislang unveröffentlichten Vorträgen, Notizen und Dokumenten» (shown by means of previously unpublished lectures, notes and documents). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Ein starkes Chaos lebt über die zivilisierte Erde hin, eine furchtbare Wirrnis. In jeder Seele muss aufgehen die Sehnsucht, den Weg zu finden aus solcher Wirrnis, aus solchem Chaos heraus, Wirrnis und Chaos sind groß. Die Kraft, die angewendet werden muss, um aus ihnen herauszukommen, sie muss auch groß sein; sie muss starke, große Vorurteile überwinden. Scheint es auch heute vielleicht für viele zu stark, das Vorurteil, das überwunden werden muss, der Weg zu der neuen Erfassung des übersinnlichen Ereignisses von Golgatha, er muss gegangen werden. Denn die Menschheit, sie hat heute vor sich - das werden wir nun von außen zu beleuchten haben im nächsten Vortrag — zwei Wege. Der eine Weg geht links, der andere geht rechts. Wir können in einseitiger Weise auffassen, indem wir das Pendel zwischen beiden ausschlagen lassen, dasjenige, was in Materialismus, in den egoistischen Persönlichkeitskräften sich seit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts entwickelt hat. Wir können aber auch rechts gehen und können bewusst den Geist wieder erobern aus unserem industriellen und naturwissenschaftlichen Zeitalter heraus. Lernt man erkennen die Entwicklung der Menschheit so, dass sozial übersinnliches Leben in dieser Entwicklung drinnenlebt, dann wird das [zur Erkenntnis werden], was heute noch viele für einen Aberglauben oder für eine Illusion halten, dasjenige, auf das Lessing hingewiesen hat, die wiederholten Erdenleben. - Lessing, der aufgeklärte Mensch, er hat zuerst, wie in der Morgenröte der neueren Zeit, in seiner «Erziehung des Menschengeschlechtes» auf die wiederholten Erdenleben des Menschen hingewiesen; sodass der Mensch durchläuft, solange die Erde in ihrer Entwicklung ist, wiederholte Erdenleben. Zwischen diesen wiederholten Erdenleben lebt er in einer geistig-seelischen Welt, aus der er durch die Geburt oder die Empfängnis herunterkommt in die physische Welt, aus der er dann wieder hinaufgeht durch die Pforte des Todes. Sich hineinzufinden in das Große, das mit solchen Gedanken bereits einmal angehoben hat bei Lessing, bei Herder, bei Goethe und so weiter, das führt nach rechts. Und wir in Mitteleuropa, wir müssen jetzt, da die Zeit der äußeren Not und des äußeren Elends vielleicht für uns begonnen hat, [das muss] schon gesagt werden in unserer schweren Zeit, wir müssen lernen, wiederum anzuknüpfen an jene Schritte, die in Mitteleuropa gemacht worden sind von den großen deutschen Geistern, die ich eben genannt habe, in die übersinnliche Welt hinein. Und wir müssen den Mut haben, weitere solche Schritte zu machen, weiter hineinzugehen in die übersinnliche Welt. Sonst verfällt die Menschheit in dasjenige, was man in der folgenden Art charakterisieren kann.

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Cite: GA 336/1919-07-26/p044 · edition original