2. Einweihung und Mysterien
Es bleibt aber eine tief in jedes Menschenherz eingegrabene Wahrheit, daß die Natur des Menschen große Lehrmeisterin ist. Wer könnte es Goethe nicht nachfühlen, wenn er davon spricht, daß er sich von den Verirrungen und Disharmonien der Menschen immer wieder gerne zu den ewigen Notwendigkeiten der Natur zurückziehe. - Und wer könnte, ohne rückhaltlose Zustimmung, die Worte lesen, mit denen der große Dichter die Empfindungen schildert, die ihn überkamen bei einer einsamen Betrachtung der ehernen Gesetze, nach denen die Natur Gebirge bildet: «Auf einem hohen nackten Gipfel sitzend und eine weite Gegend überschauend, kann ich mir sagen: Hier ruhst du unmittelbar auf einem Grunde, der bis zu den tiefsten Orten der Erde hinreicht ... In diesem Augenblicke, da die innern anziehenden und bewegenden Kräfte der Erde gleichsam unmittelbar auf mich wirken, da die Einflüsse des Himmels mich anher umschweben, werde ich zu höheren Betrachtungen der Natur hinauf gestimmt ... So einsam, sage ich zu mir selber, indem ich diesen ganz nackten Gipfel hinab sehe, ... so einsam wird es dem Menschen zu Mute, der nur den ältsten, ersten, tiefsten Gefühlen der Wahrheit seine Seele eröffnen will. Da kanner zu sich sagen: hier auf dem ältesten ewigen Altare, derunmittelbarauf.die Tiefe der Schöpfung gebaut ist, bring ich dem Wesen aller Wesen ein Opfer.»
Cite:
GA 34/02_initiation_and_mysteries/p007 · edition original