{"corpus":"steiner","locus":"GA 34/02_initiation_and_mysteries/p029","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wer die «Schwelle» zur höheren Einsicht betritt, muß, wenn ihm der Fortschritt gelingen soll, mit der Kraft ausgestattet sein, die zum Empfinden des *Wirklichen* da führt, wo der gewöhnliche Verstand und die alltägliche Vernunft Phantastik und Illusion wahrnehmen. — Denn es ist das Dauernde und Ewige dort, wo dem auf das Vergängliche und Zeitliche eingestellten Auge nur Illusion und Phantastik erscheinen. Nichts kann es daher dem Menschen helfen, wenn er mit seinem gewöhnlichen Verstande vor die Quellen der ewigen Weisheit geführt wird. Deshalb ist in den Mysterien die erste Stufe der Einweihung nicht die Vermittlung neuen Verstandeswissens, sondern völlige Umwandlung der menschlichen Erkenntniskräfte. Mit feinsinniger Einsicht charakterisiert daher Édouard Schuré in seinem Buche «Die großen Eingeweihten» den Weg der durch die Mysterien zum «Wissen » Strebenden: «Die Einweihung war eine stufenweise Hinführung der menschlichen Wesenheit gegen die schwindelerregenden Gipfel des Geistes hin, von denen das Leben beherrscht wird.» Und weiter wird uns gesagt: «Um die Meisterschaft zu erreichen, sagten die alten Weisen, hat der Mensch eine gänzliche Umgestaltung seiner physischen, moralischen und intellektuellen Wesenheit nötig. Diese Umgestaltung ist nur möglich durch gleichzeitige Übung des Willens, der Intuition und der Vernunft. Durch ihre vollständige Übereinstimmung kann der Mensch seine Fähigkeiten bis zu unberechenbaren Grenzen erweitern. Die Seele hat schlafende Sinne. Die Einweihung erweckt sie. Durch vertieftes Studium, durch konstanten Fleiß kann der Mensch in bewußte Beziehung zu den geheimen Kräften des Universums gelangen. Durch eine erstaunliche Anstrengung kann er bis zur unmittelbaren spirituellen Vollkommenheit gelangen, kann sich die Wege dahin öffnen und sich fähig machen, sich selbst dahin zu richten. Dann allein kann er sagen, daß er das Geschick besiegt hat, und daß er von da aus seine göttliche Freiheit erobert hat. Nur der Eingeweihte kann Einweiher, Prophet und Theurg werden, das heißt sehend und Schöpfer von Seelen. Denn nur wer sich selbst die Wege weist, kann sie andern weisen: der allein kann befreien, der frei ist.» («Die großen Eingeweihten », Seite 124.)","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"2. Einweihung und Mysterien","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":322,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/34/02_initiation_and_mysteries/p029","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/34/02_initiation_and_mysteries/p029"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/34/02_initiation_and_mysteries/p029","paragraph_aligned":true}]}