6. Von der Aura des Menschen

GA 34/06_the_human_aura/p039 · original (original)

Es ist ein verhangenes Allerheiligstes im Menschen, was mit seinem Selbstbewußtsein bezeichnet wird. Wer sich das klar macht, der sieht ein, daß mit diesem Worte eigentlich der Sinn des menschlichen Daseins ausgedrückt wird. Selbstbewußtsein ist eine Fähigkeit, sich als ein «Ich» zu wissen. — Einfach scheint die folgende Tatsache, doch ein unendlich Bedeutungsvolles schließt sie ein: «Ich» ist das einzige Wort, das jeder nur zu sich selbst sagen kann. Niemand anderer kann es zu dem Menschen sagen; und er kann es zu niemand anderem sagen. Jedes andere Wort kann ein anderer in demselben Sinne gebrauchen wie ich selbst. Wodurch der Mensch selbständig, abgesondert von allem übrigen ist, das, womit er nur mit sich allein sein kann: das nennt er sein «Ich». — Dieser Tatsache entspricht eine ganz bestimmte Erscheinung in der Aura: kein Heilseher kann an derjenigen Stelle der Aura etwas sehen, die dem «Ich» entspricht. Das Ich-Bewußtsein wird in derselben durch ein dunkles Oval, durch ein völlig Finsteres bezeichnet. Könnte man dieses Oval für sich allein anschauen, so erschiene es völlig schwarz. Das kann man aber nicht. Denn man sieht es durch das, was in den beiden vorhergehenden Aufsätzen als erste und zweite Aura bezeichnet worden ist. Deswegen erscheint es blau. Als ein kleines blaues Oval erscheint das «Ich » des ganz unentwickelten Menschen. Mit der fortschreitenden Entwickelung des Menschen wird es immer größer; und beim Durchschnittsmenschen der Gegenwart hat es ungefähr die Größe der übrigen Aura. - Innerhalb dieses blauen Ovals entspringt nun eine besondere Strahlung. Alle anderen Teile der Aura spiegeln nur in einer gewissen Weise dasjenige, was von außen an den Menschen herandringt. Die genannte Strahlung aber ist der Ausdruck dessen, was der Mensch aus sich selbst macht. Die erste Aura drückt dasjenige aus, was aus dem Animalischen in dem Menschen wirkt; die zweite dasjenige, was er durch die Eindrücke der Sinnenwelt in sich selbst erlebt; die dritte ist ein Ausdruck des Wissens, das er sich von dieser Sinnenwelt erwirbt. Was aber innerhalb der dunklen Ich-Aura zu erstrahlen beginnt: das ist dasjenige, was sich der Mensch durch seine Arbeit an sich selbst erwirbt. Die Kraft dazu kann ihm keine Sinnenwelt geben. Diese muß ihm daher von anderswoher fließen. Sie fließt ihm vom Geiste zu. Soviel von dem Geiste dem menschlichen Ich zuströmt, soviel erstrahlt in der gekennzeichneten Aura. Und im Gegensatze zu den vergänglichen Erscheinungen der Sinnenwelt ist der Geist ewig, unvergänglich. Dasjenige, was in den anderen Auren sich auslebt, ist auch am Menschen vergänglich, das was in der Ich-Aura erstrahlt, ist der Ausdruck seines ewigen Geistes. Es ist das Bleibende in ihm, das in jeder folgenden Verkörperung (Inkarnation) wieder erscheint. — Die Bewußtseinsseele haben wir als den dritten Teil der Seele erkannt. Und innerhalb der Bewußtseinsseeie erwacht das «Ich». Im «Ich» erwacht wieder der ewige Geist des Menschen. Wie der Leib und die Seele, so ist auch der Geist dreigliedrig. Der höchste Teil ist der eigentliche Geistesmensch (in der theosophischen Literatur «Atma» genannt). Wie der physische Leib aus den Stoffen und Kräften der äußeren physischen Welt aufgebaut ist, so der Geistesmensch aus denen der allgemeinen Geisteswelt. Er ist ein Teil derselben, wie der physische Leib ein solcher der physischen Welt ist. Und wie der physische Leib durch die physische Lebenskraft zum leiblichen Lebewesen, so wird der Geistesmensch durch die geistige Lebenskraft zum Lebensgeist (in der theosophischen Literatur Budhi genannt). — Und wie ferner der physische Leib durch die sinnliche Empfindung Erkenntnis von der sinnlichen Welt erlangt, so der Geistesmensch durch die geistige Empfindung, die Intuition genannt wird, von der Geisteswelt. Dem sinnlichen Empfindungsleib der körperlichen Welt entspricht daher ein besonderer Empfindungsgeist auf diesem höheren Gebiete, Ebenso wie das niedere Eigenleben mit der Empfindung beginnt, so das höhere mit der Intuition. Dieses geistige Eigenleben sei daher Geistselbst genannt (in der theosophischen Literatur heißt es «höherer Manas»).

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